Nächsten Mittwoch habe ich drei Frauen zu Gast im Studio.
Eine von ihnen heiratet bald, und die drei wollen sich zusammen einen schönen Nachmittag machen – mit Yoga.
Ich habe lange darüber nachgedacht, was eine Hochzeit eigentlich bedeutet.
Mein erster Gedanke: ein Neuanfang.
Aber im Gespräch änderte ich meine Meinung.
Denn das Argument, dass eine Ehe aus etwas Bestehendem wächst, hat mich überzeugt.
Zumindest ist es bei uns so üblich.
Dann bedeutet Heiraten vor allem eins: sich zu committen.
Ja, ich "gehöre" zu dir und werde zu dir stehen.
Wir gehen gemeinsam durch das Leben und schaffen es, in "guten wie in schlechten Zeiten."
Was wir schon länger füreinander und miteinander tun wollen, bestärken wir mit der Hochzeit noch einmal.
Und machen es auch vor dem Gesetz deutlich.
Haben wir nicht immer wieder solche Momente, in denen wir uns ein wenig davor drücken, wirklich Verantwortung zu übernehmen?
Dazuzustehen, was wir uns vornehmen oder besprechen?
Ob es die kleinen Dinge des Lebens sind – oder etwas so Großes wie eine Hochzeit?
Commitment ist kein Versprechen.
Es ist, mit klarer Stimme Ja zu sagen – das mache ich. Oder auch Nein.
Aber ich stehe zu dem, was ich sage, und tue es dann auch.
Und das gilt nicht nur anderen gegenüber.
Sondern genauso uns selbst gegenüber.
zB "Heute gehe zum Yoga!" Fertig! Nicht verhandelbar. Ich mache es.
oder
"Heute mache ich die Steuererklärung!" Puh - hart. Aber wenn wir zu unserem eigene Wort stehen, dann verschafft uns das ebenfalls ein gutes Fundament des Vertrauens.
Sankalpa
Im Yoga gibt es dafür ein eigenes Wort: Sankalpa.
Meist übersetzt als Vorsatz, eigentlich aber viel mehr: ein Herzenswunsch, ein inneres Gelübde.
Das Wort setzt sich zusammen aus "San" – der Verbindung zum eigenen wahren Selbst – und "Kalpa" – Wahrheit.
Deshalb wird ein Sankalpa oft nicht als "Ich werde..." formuliert, sondern als "Ich bin...".
Kein Ziel, das erst noch entstehen soll.
Sondern etwas, das schon da ist und nur bekräftigt werden will.
Genau das ist es, was mich an dem Gedanken zur Hochzeit überzeugt hat.
Man verspricht sich nicht, ab morgen jemand anderes zu werden.
Man bekräftigt, was längst gilt.
Dein eigenes Sankalpa
Vielleicht magst du dir für deine eigene Yogapraxis ein Sankalpa entwickeln.
Ein paar Fragen, die dir dabei helfen können:
- Warum komme ich eigentlich auf die Matte – was suche ich in meiner Praxis wirklich?
- Was gilt für mich in meiner Praxis schon längst, auch wenn ich es selten ausspreche?
- Wozu möchte ich mir selbst treu bleiben, wenn eine Haltung schwerfällt oder ich am liebsten aufgeben würde?
- Welcher Satz beginnt mit "Ich bin..." und fühlt sich auf der Matte wahr an, nicht wie ein Wunsch?
Ein paar Beispiele, falls du einen Ausgangspunkt brauchst:
- "Ich bin geduldig mit mir."
- "Ich bleibe, auch wenn es unbequem wird."
- "Ich höre auf meinen Körper, nicht auf den Vergleich mit anderen."
- "Ich bin schon genug, so wie ich gerade bin."
Sprich dein Sankalpa zu Beginn der Klasse einmal innerlich aus.
Und am Ende noch einmal.
Nicht als neues Versprechen.
Sondern als Bekräftigung von etwas, das schon in dir ist.
Wo mir das begegnet
Ich committe mich schnell. Bin ausgesprochen loyal, treu, verlässlich.
Ob ich das immer laut ausspreche, weiß ich nicht.
Aber ich glaube, die Menschen, die mich kennen, wissen:
Sie können sich auf mich verlassen.
Ich stehe dazu, was ich zusage.
Ob es eine Verabredung ist oder soetwas großes wie in der Liebe.
Und ich merke: Genau darin liegt schon die Übung.
Nicht im großen Versprechen.
Sondern darin, jeden Tag neu dazu zu stehen.
Kennst du das?
Diesen Moment, in dem du merkst, ob du gerade wirklich zu etwas stehst – oder dich innerlich schon halb zurückziehst?
Asanas
Diese Woche geht es um Standfestigkeit, die getragen werden will:
- Boot (Navasana) – die Mitte hält, auch wenn es zittert
- Planke (Phalakasana) – dranbleiben, auch wenn es unbequem wird
- Stehende Hand-zu-Fuß-Haltung (Utthita Hasta Padangusthasana) – festhalten, ohne zu verkrampfen
- Krieger II (Virabhadrasana II) – Präsenz, die nicht wankt
Ätherische Öle
Für Standfestigkeit und Verbundenheit bietet sich an
- doTERRA Balance
Mein persönliches Resümee
Ich glaube, Commitment wird oft nur mit dem großen Moment verwechselt.
Dem Ja-Wort. Dem Ring. Dem Fest.
Aber der eigentliche Moment ist viel kleiner und kommt viel öfter.
- Er zeigt sich, wenn ich keine Lust habe und trotzdem da bin.
- Wenn es unbequem wird und ich trotzdem dranbleibe.
- Wenn niemand zusieht und ich zu meinem Wort stehe.
Vielleicht ist das der eigentliche Sankalpa: keine einmalige Erklärung, sondern eine tägliche Rückkehr zu dem, was ich mir und anderen versprochen habe.
Und noch etwas gehört für mich dazu.
Ein Commitment ist kein Freifahrtschein für immer.
Auch wenn ich zu etwas Ja gesagt habe, prüfe ich es ab und zu neu.
- Ist das noch richtig?
- Passt das noch zu mir?
- Oder entscheide ich mich gerade nur aus Gewohnheit weiter dafür?
Klingt komisch, das jetzt gleich bei frisch verheirateten Ehepaaren anzubringen.
Aber ich glaube, genau das hält eine Bindung lebendig.
Nicht das einmalige Ja.
Sondern das bewusste Neu-Entscheiden, immer wieder.
Reflexionsfragen
- Wozu stehe ich gerade wirklich – und wo drücke ich mich ein wenig davor?
- Ist mein Commitment ein Versprechen für morgen, oder eine Wahrheit von heute?
- Wem oder was gegenüber bin ich verlässlich, auch wenn es niemand sieht?
- Was würde sich ändern, wenn ich Commitment als tägliche Entscheidung statt als einmaliges Versprechen verstehe?
