Verlieren und trotzdem gewinnen - geht das? Nishkama Karma

Gerade gibt es Unmengen an Schlagzeilen zur Fußball-WM.

 

Tabellen, Punktestände, und seit dem Aus von Deutschland die große Frage, wer den Pokal wohl holt.

 

Offen gestanden: Mir ist das ziemlich schnurz.

 

Wettbewerb an sich interessiert mich nicht besonders.

 

Wenn überhaupt, dann gönne ich den Kapverden den Titel – wegen ihres Torwarts, der seine Gefühle einfach zeigt, ungefiltert, echt.

 

Was mich wirklich packt, sind die Geschichten drumherum.

 

Und die schönste davon habe ich gerade in der Zeit gelesen: die der schottischen Fans.

 

Sie verlieren viel, die Schotten.

 

Bei fast jeder WM ist nach der Vorrunde Schluss.

 

Trotzdem reisen sie an, singen, feiern – und ganze Städte liegen ihnen zu Füßen und wünschen sich ewige Freundschaft.

 

Weil es ihnen nicht ums Gewinnen geht.

 

Sondern ums Dabeisein, ums Miteinander.

 

Bei der WM gerade stand ein Brasilianer vor einem schottischen Fan-Pärchen und bittet um ein Foto.

 

Vermutlich als Erinnerung an so besondere Momente und ganz viel Freude, obwohl die Schotten kurz zuvor 0:3 verloren haben.

 

Sie lächeln trotzdem. Feiern und verbreiten mit Dudelsäcken und Schottenröcken gute Laune.

 

Die Frau sagt später: „Das ist die Antwort. Auf die Frage, warum sie überhaupt hier sind. Miteinander und Freude."

 

Ich habe darüber nachgedacht, was das mit mir und Yoga zu tun hat.

 

Nishkama Karma

 

In der Bhagavad Gita gibt es eine Stelle, die besonders gut dazu passt.

 

Krishna sagt zu Arjuna sinngemäß:

 

Du hast ein Recht auf dein Handeln.

 

Aber nie auf die Frucht deines Handelns.

 

Nishkama Karma nennt man das – Handeln ohne Anhaftung an das Ergebnis.

 

Das klingt erstmal ungewohnt. Kennen wir doch eher: Gewinnen ist alles. Oder war es "dabei sein ist alles"? :-)

Und nun: gib einfach dein Bestes und es ist egal, was rauskommt.

 

Aber ich glaube, es ist mehr als das.

 

Es ist die Frage, woran ich meine Freude festmache.

 

Am Ergebnis – oder am Tun selbst, am Dabeisein, am Miteinander.

 

Ich spiele wahnsinnig gern.

 

Halma, Activity, Hitster – und ich gewinne auch richtig gern.

 

Woran ich mich im Nachhinein aber erinnere, ist etwas anderes.

 

Was für einen riesigen Spaß ich hatte, mit den Menschen zusammen etwas zu machen.

 

Jeder hat sein Bestes gegeben.

 

Und das Ergebnis – eigentlich wurscht.

 

Zusammensein, gemeinsam etwas Neues ausprobieren, lachen, grübeln.

 

Das ist es, was eigentlich zählt.

 

 

Der Philosoph C. Thi Nguyen hat dafür sogar ein ganzes Buch geschrieben, „Der Score".

 

Seine Grundidee: Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum wir spielen.

 

  • Manche spielen, um zu gewinnen, um am Ende die meisten Punkte zu haben.
  • Andere spielen, weil das Spielen selbst der Grund ist – das Miteinander, das Ausprobieren, das gemeinsame Lachen.

 

Es macht einen riesigen Unterschied, welche der beiden Motivationen gerade die Führung übernimmt.

 

Und ist es auf der Matte nicht genauso?

 

Auch da geht es darum, das Beste zu geben.

 

Doch ebenso um den Prozess selbst.

Yoga zu üben, sich zu fühlen und zu spüren, sich ganz bewusst erleben.

 

Das Miteinander von Körper, Atem, Geist.

 

Auch die Gemeinschaft - diese Stimmung die überschwappt auf jeden einzelnen und uns so verbindet.

 

Nicht die perfekte Haltung, sondern das gemeinsame Atmen, Schwitzen, manchmal auch Scheitern im Raum.

 

Kennst du das?

 

Diesen Moment, in dem dir klar wird, dass nicht das Ergebnis zählt, sondern, wie du etwas machst - mit Hingabe und weniger dem, wie die Haltung aussieht und vielleicht auch wer mit dir im Raum war? Wie es sich angefühlt hat.

Einfach üben und weitermachen.

 

Die Schotten sind auch dieses Mal früh ausgeschieden. Und trotzdem singen sie weiter.

 

 

Asanas

 

Diese Woche darf es wackelig sein.

 

Nicht weil die Haltung an sich das Ziel ist.

 

Sondern weil gerade in der Herausforderung spürbar wird, worauf es ankommt: der Weg dahin, nicht das perfekte Ergebnis.

  • Krieger III (Virabhadrasana III) – Balance, die nicht gelingen muss, um wertvoll zu sein
  • Halbmond (Ardha Chandrasana) – wackeln, korrigieren, wieder finden
  • Baum (Vrksasana) – nebeneinander wackeln :-)
  • Tänzer (Natarajasana) – Offenheit und Balance zugleich, ohne dass die perfekte Form zählt

 

Ätherische Öle

 

Für Freude, Spaß und Miteinander würden sich anbieten:

  • Wild Orange – Leichtigkeit, Freude, unbeschwerte Energie
  • Ylang Ylang – Verspieltheit, loslassen von Kontrolle
  • Bergamot – Selbstannahme, loslassen vom Vergleich

 

Mein persönliches Resümee

 

Eigentlich habe ich nie wirklich geglaubt, dass sich alles nur am Ergebnis misst.

 

Natürlich freue ich mich, wenn etwas richtig gut wird.

 

Das eine schließt das andere ja nicht aus.

 

Bei meiner Zusammenarbeit mit Lexie (Funnmore Festival) zum Beispiel haben wir wahnsinnig viel Spaß.

 

Wir lachen, wir scherzen, wir schweifen ab.

 

Und trotzdem geht es uns auch darum, etwas so gut zu machen, dass wir viele Menschen zu unseren Events bringen.

 

Ich spüre ganz deutlich, dass sich das Prinzip von Nishkama Karma genau so auf unsere Arbeit auswirken kann.

 

Denn gerade am Arbeitsplatz zählt meistens nur das Ergebnis.

 

Der Umsatz, das Projekt, die Zahl am Ende des Quartals.

 

Aber ist es nicht genau das Miteinander im Team, das am Ende den Erfolg überhaupt erst möglich macht?

 

Wie wir mit Kolleginnen und Kunden umgehen.

 

Ob wir fair sind.

 

Ob wir gemeinsam Freude finden an dem, was wir tun.

 

Ich glaube, genau das ist es, was am Ende auch das beste Ergebnis hervorbringt.

 

Nicht als Nebeneffekt.

 

Sondern zusammen mit der Freude, die uns dorthin trägt.

 

Das ist nichts, was ich mir einmal vorgenommen habe und jetzt kann.

 

Ich übe es. Immer wieder. Auf der Matte, beim Spielen, im Alltag – und in der Arbeit.

 

Und wenn ich zurückdenke an das gemeinsame Foto der Brasilianer und Schotten, fällt mir auf, dass wir am Ende der Klassen und auf unseren Events auch immer so gern gemeinsame Fotos machen.

 

Einfach weil wir spüren, dass wir gerade etwas geteilt haben, das größer war als das, was auf dem Stundenplan stand.

 

Sollten wir das im Studio auch einmal machen?

 

Reflexionsfragen

 

  • Woran mache ich gerade fest, ob etwas gelungen ist – am Ergebnis oder am Miteinander?
  • Wann habe ich zuletzt etwas getan, nur weil das Tun selbst schön war?
  • Wem gönne ich gerade etwas von Herzen – und was macht das mit mir?
  • Was würde sich verändern, wenn ich im Team öfter auf das Miteinander schaue statt nur auf die Zahl am Ende?

 

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