Erst du, dann die anderen – ist das Quatsch? Chakra 4 – Anahata

Es gibt Momente, in denen ich mein Herz spüre.

 

Nicht metaphorisch.

 

Wirklich spüre – ein Ziehen, ein Wärmen, manchmal ein Eng-Werden.

 

Als hätte der Körper eine eigene Sprache, die er spricht, bevor ich überhaupt denken kann.

 

Was Anahata bedeutet

 

Das vierte Chakra – Anahata – sitzt genau dort.

 

In der Mitte der Brust.

 

Anahata bedeutet im Sanskrit – „der nicht geschlagene Klang".

 

Der Klang, der ohne Anschlag entsteht.

 

Der Urklang.

 

Die Quelle.

 

Das Herz schlägt – aus sich selbst heraus.

 

Nicht weil es angetrieben wird.

 

Nicht weil jemand es anstoßen muss.

 

Es ist einfach da.

 

Ursprünglich.

 

Unzerstörbar. (Fast)

 

Nicht weil das Herz keine Verletzungen kennt.

 

Sondern weil es trotzdem weiterschlägt.

 

Immer wieder.

 

Es ist nicht das Unberührte.

 

Ganz im Gegenteil.

 

Und genau das ist Anahata – das Zentrum von Liebe, Mitgefühl und Verbindung.

 

Mit anderen.

 

Und mit uns selbst.

 

Erst du. Dann die anderen. Wirklich?

 

Wir leben in einer Zeit, die alles individualisiert.

 

Erst du, dann die anderen.

 

Liebe dich selbst, bevor du andere liebst.

 

Ich bin da nicht sicher.

 

Ich frage mich – ob das wirklich stimmt.

 

Oder ob wir einander brauchen, um uns selbst zu finden.

 

Ich erlebe es so:

Ich kann mich selbst besser annehmen, wenn ich die Wärme eines anderen Menschen spüre.

 

Wenn jemand bei mir ist – wirklich bei mir.

 

Nicht um meine Probleme zu lösen.

 

Nicht um mir pausenlos Ratschläge zu geben.

 

Einfach – da.

 

In diesen Momenten öffnet sich etwas in mir, das ich alleine nicht erreiche.

 

Ob das für dich auch so ist – das weiß ich nicht.

 

Vielleicht ist dein Weg ein anderer.

 

Aber ich glaube:

 

Wir sind keine Inseln.

 

Vollkommen unabhängig voneinander.

 

Wir sind füreinander gemacht.

 

Und vielleicht – finden wir uns selbst gerade dort, wo wir uns wirklich begegnen.

 

 

Der Froschkönig und der eiserne Reifen

 

Den Froschkönig – das Märchen vom eisernen Reifen um das Herz – habe ich vor kurzem schon im Blog erwähnt.

 

Beim Thema Liebe und Mudita.

 

Und doch – auch hier gehört er noch einmal hin. 

 

Der treue Heinrich legt sich einen eisernen Reifen ums Herz – damit es vor Schmerz nicht zerspringt.

 

Und als sein Herr erlöst wird – bricht der Reifen.

 

Nicht vor Schmerz.

 

Vor Freude.

 

Vor Liebe.

 

Wie oft legen wir uns selbst solche Reifen an?

 

Um uns zu schützen.

 

Um nicht zu sehr zu fühlen.

 

Um nicht verletzt zu werden.

 

Und was wäre, wenn wir ihn lösen dürften – nicht weil der Schmerz verschwindet, sondern weil die Verbindung stärker ist als die Angst?

 

 

Und was hat das mit der Matte zu tun?

 

Auf der Matte öffnen wir das Herz – ganz konkret, ganz körperlich.

 

Rückbeugen öffnen den Brustraum.

 

Der Körper macht, was das Herz manchmal nicht wagt.

 

Kann sein, dass dann Tränen fließen.

 

Einfach so.

 

Ohne Erklärung.

 

Ohne Entschuldigung.

Oder du vor lauter Freude die ganze Welt umarmen möchtest.

 

Das ist Anahata.

 

 

Asanas

  • Anahatasana – Herz schmelzende Haltung

Die Brust sinkt zur Erde. Das Herz öffnet sich – nach unten.

 

 

  • Bhujangasana – Kobra

Sanft. Geerdet.
Das Herz hebt sich langsam –
ohne Eile,
ohne Zwang.

  • Urdhva Mukha Svanasana – Heraufschauender Hund

Der Blick geht nach oben.
Das Herz folgt.

Offen für das,
was kommt.

  • Dhanurasana – Bogen

Der gesamte Körper öffnet sich –
Kraft und Weite zugleich.

Das Herz in der Mitte –
strahlend.

  • Matsyasana – Fisch

Das Herz strahlt nach oben.
Offen. Ungeschützt.

 

 

 

Ätherische Öle

 

  • Cedarwood / Zeder

Zeder erinnert uns: Wir sind nicht allein.

 

Es öffnet das Herz für Gemeinschaft – für die Menschen, die bereits da sind.

 

Stärke liegt nicht nur in uns selbst. Sie liegt auch oder gerade im Miteinander.

 

  • Geranium / Geranie

Geranium bringt uns zurück zum Vertrauen.

 

Dort wo das Herz sich verschlossen hat – wo Schmerz sich festgesetzt hat – führt es uns sanft zurück.

 

Weg vom Kopf.

 

Hin zur Wärme.

 

Damit Liebe wieder fließen kann.

 

Zu anderen. Und zu uns selbst.

 

 

Mein persönliches Resümee

 

Ich glaube nicht, dass ich mich zuerst selbst lieben muss – um andere lieben zu können.

 

Ich glaube, dass beides sich gegenseitig nährt.

 

Dass die Liebe eines anderen Menschen mein Herz öffnet – für mich selbst.

 

Und dass ich durch die Verbindung zu dem werde, die ich wirklich bin.

 

Das Herz ist kein Soloprojekt.

 

Es schlägt für mich – im Rhythmus des Miteinanders.

 

 

Reflexionsfragen

  • Wann habe ich zuletzt wirklich gespürt, dass jemand bei mir ist?
  • Wo schütze ich mein Herz – und was kostet mich das?
  • Gibt es einen eisernen Reifen, den ich bereit wäre loszulassen?
  • Brauche ich andere, um zu mir zu finden – oder glaube ich, das alleine schaffen zu müssen?
  • Was würde sich öffnen, wenn ich zulasse, dass mich jemand wirklich berührt?
  • Und – was sagt mein Herz gerade?

 

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