In meinem Leben gab es viele Momente, in denen mir der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde.
Plötzlich. Ohne Vorwarnung.
Und dieses Gefühl – wenn der Boden unter einem wegbricht – das kennt wohl jeder.
Aber was hilft dann?
Wo findet man wieder Halt?
Genau darum geht es in dieser Woche.
MULADHARA - CHAKRA
Was sind Chakren überhaupt?
Chakra bedeutet auf Sanskrit so viel wie Rad oder Kreis.
In der yogischen Tradition gibt es sieben Energiezentren – entlang der Wirbelsäule, vom Becken bis zum Scheitel.
Kein Geschwafel.
Kein Hokuspokus.
Sondern ein altes System – das beschreibt, wie Energie in uns fließt.
Oder eben stockt.
Jedes Chakra steht für bestimmte Themen – körperlich, emotional, mental.
Wenn ein Chakra im Gleichgewicht ist, fühlen wir uns in diesem Bereich stabil und lebendig.
Wenn nicht – merken wir es ebenso.
Im Körper. In unseren Gedanken. In unserem Leben.
In den nächsten Wochen erkunden wir alle sieben gemeinsam – bodenständig und lebensnah.
Und wir beginnen – ganz natürlich – unten.
Muladhara – Chakra 1
Muladhara – Mula bedeutet Wurzel.
Adhara bedeutet Grundlage, Stütze.
Das Wurzelchakra.
Es sitzt am Beckengrund – und steht für alles, was uns trägt und hält.
Sicherheit. Stabilität. Verwurzelung.
Wenn Muladhara im Gleichgewicht ist, fühlen wir uns geerdet.
Verbunden mit dem, was uns trägt.
Stabil und ruhig.
Wenn nicht – wird es wackelig.
Nichts fühlt sich sicher an.
Und was hat das mit dem Leben zu tun?
Das ist offensichtlich.
Es braucht keine große Krise.
Manchmal reicht ein schwieriges Gespräch.
Eine unerwartete Nachricht.
Ein Moment der Unsicherheit.
Und plötzlich sind wir nicht mehr geerdet.
Werden unsicher.
Die Frage ist nicht – ob uns der Boden wegbricht. Denn das erleben wir alle sicherlich immer wieder.
Die Frage ist: Wie finden wir ihn wieder? Den Halt. Die Sicherheit.
Ein Weg ist sicherlich die körperliche Arbeit, die sich dann auf unseren mentalen Zustand überträgt.
Und was hat das mit der Matte zu tun?
In dieser Woche arbeiten wir ganz konkret mit Muladhara – durch Stehhaltungen, die uns erden.
Durch den bewussten Kontakt der Füße mit dem Boden.
Durch Mula Bandha – den Wurzelverschluss.
Mula Bandha ist eine subtile Aktivierung des Beckenbodens – ein leichtes, inneres Anspannen und Heben.
Nicht pressen.
Nicht verkrampfen.
Sanft aktivieren – die Energie von unten nach oben lenken.
Es erdet und stabilisiert – körperlich und innerlich.
Asanas
- Tadasana – Bergpose
Füße fest auf der Erde. Spür, wie der Boden dich trägt.
- Utkatasana – Stuhlpose
Die Beine brennen – der Beckenboden ist aktiv. Die Kraft kommt aus der Erde.
- Dandasana – der Stab
Sitzknochen fest auf dem Boden. Aufgerichtet. Geerdet. Still.
- Prasarita Padottanasana – weite Vorwärtsbeuge
Füße weit, fest verwurzelt. Der Kopf hängt schwer – zur Erde.
- Ardha Chandrasana – Halbmond
Die Erde trägt – auch wenn nur ein Fuß sie berührt.
Ätherische Öle
- Patchouli / Patschuli
Warm. Tief. Geerdet. Bringt uns zurück – in den Körper, auf den Boden, nach Hause.
- Cedarwood / Zeder
Wie ein alter Baum – ruhig, stabil, unerschütterlich. Der Boden ist noch da.
- Vetiver / Vetiver
Als Roll-on direkt auf die Fußsohlen – ein kleines Ritual vor der Praxis. Spür die Erde unter dir. Sie trägt dich. Immer.
Mein persönliches Resümee
In meinem Leben gab es viele Momente, in denen mir der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde.
Und ich habe gelernt – nicht durch große Techniken – sondern durch etwas ganz Einfaches:
Immer wenn es wackelig wird, erinnere ich mich daran – die Erde trägt mich.
Ich stelle meine Füße ganz bewusst fest auf den Boden.
Spüre die Verbindung.
Manchmal hilft mir die Vorstellung, dass Wurzeln an meinen Füßen wachsen – tief in die Erde hinein.
Dann atme ich tief ein. Und aus.
Klappt es immer?
Nein.
Aber häufiger.
Und das – ist genug.
Reflexionsfragen
- Wann habe ich zuletzt gespürt, dass mir der Boden wegbricht – und was hat mir wieder Halt gegeben?
- Wo fühle ich mich gerade nicht geerdet – im Körper, im Leben?
- Was gibt mir Sicherheit – und was davon liegt wirklich in mir?
- Wie würde es sich anfühlen, dreimal täglich bewusst die Füße auf den Boden zu stellen – und einfach zu spüren?

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