Kennst du das – dass du für dein Verhalten oder deine Eigenschaften kritisiert wirst?
Natürlich!
Schon als Kind.
- Sei brav.
- Sei nicht frech.
- Sei ordentlich.
- Pass dich an.
- So macht man das nicht.
- Was sollen die Leute denken.
Wir werden geformt – von Erwartungen, von Vorstellungen, von dem, was andere für richtig halten.
Und irgendwann fragen wir uns:
Wer bin ich eigentlich – oder lebe ich nach den Vorstellungen und Ideen, die andere in mir sehen? Oder wohin sie mich bringen möchten?
Ich kenne das.
Und gleichzeitig – lege auch ich meine Sichtweise auf andere.
Ich verstehe manches nicht.
Ich frage mich manchmal:
- Warum machst du das so?
- Warum gehst du diesen Weg?
- Das würde ich anders machen.
Und dann – die entscheidende Frage:
- Hilft es dir wirklich, wenn ich mich einmische?
- Steht mir das überhaupt zu?
- Ist es Liebe, die mich antreibt – oder nur meine eigene Sichtweise?
Was Upeksha bedeutet
Patanjali beschreibt im Yoga Sutra 1.33 vier Haltungen, die unseren Geist in Reinheit halten.
Die vierte ist Upeksha – Gleichmut.
„Maitri karuna mudita upekshanam sukha duhkha punyapunya vishayanam bhavanatas chitta prasadanam"
Der Geist wird klar und ruhig durch den Gleichmut gegenüber dem, was wir nicht ändern können.
Was nicht unseres ist.
Den anderen sein lassen – ohne Urteil.
Ohne Einmischung.
Ohne unsere eigenen Maßstäbe.
Und der Neurowissenschaftler *Gerald Hüther beschreibt Liebe so:
„Liebe ist das bedingungslose Interesse an der Entfaltung eines oder meines Geliebten."
- Nicht meine Vorstellung von dir.
- Nicht mein Bild davon, wer du sein solltest.
- Sondern echtes Interesse – an dem, was in dir steckt.
- An dem, was du werden möchtest.
- An dem, was du wirklich bist.
Upeksha und Hüther – sie sagen dasselbe.
- Lass den anderen sein.
- Vertraue seiner Entfaltung.
- Ohne festzuhalten.
- Ohne einzugrenzen.
Was das mit Liebe zu tun hat
Wenn ich jemanden wirklich mag – wenn ich an deiner Entwicklung interessiert bin – dann bedeutet das:
- Ich freue mich mit dir.
- Ich bin da, wenn es Stolpersteine gibt.
- Ich versuche zu unterstützen – nicht einzugrenzen.
- Nicht nach meinen Maßstäben.
- Sondern nach dem, was du brauchst.
Das ist nicht immer einfach.
Manchmal ist es sogar sehr schwierig.
Aber genau da – in diesem Bemühen – liegt Upeksha.
Gleichmut und Wohlwollen.
Eine Entscheidung.
Eine Haltung.
Die Entscheidung, die Liebe als Impuls zu wählen – immer wieder neu.
Und was hat das mit der Matte zu tun?
Auf der Matte üben wir genau das.
Wir kommen mit uns selbst zusammen – mit unseren Mustern, unseren Reaktionen, unseren Grenzen.
Und wir üben, sie zu beobachten – ohne sofort zu urteilen.
Ohne sofort zu reagieren.
Und vielleicht – wenn wir das oft genug geübt haben – gelingt es uns auch im Leben draußen.
Mit den Menschen, die wir lieben.
Und mit denen, bei denen es uns schwerer fällt.
Asanas
- Fischpose (Matsyasana)
Das Herz strahlt nach oben. Offen. Weit. Ungeschützt.
Eine Einladung – sich zu zeigen. So wie man ist.
- Taube (Kapotasana)
Dort wo wir festhalten – darf sich etwas lösen.
Geduld. Hingabe. Loslassen.
- Krieger III (Virabhadrasana III)
Fokussiert. Ausgerichtet. Präsent.
Der Geist entscheidet – ob wir stehen oder wanken. Genau wie im Leben.
Ätherische Öle
- Ylang Ylang
Ylang Ylang öffnet das Herz – dort wo wir uns verschlossen haben. Es löst emotionale Starre und erinnert uns daran: Liebe ist keine Schwäche. Sie ist unsere größte Stärke.
- Geranium
Geranium bringt uns zurück zum Vertrauen – zu anderen und zu uns selbst. Weg vom Kopf. Hin zur Wärme des Herzens.
- Siberian Fir
Siberian Fir erdet und stabilisiert. Wie ein alter Baum – tief verwurzelt, ruhig, still.
Es schafft genau den Raum, den wir brauchen – um innezuhalten. Bevor wir reagieren.
Mein persönliches Resümee
Ich erinnere mich immer wieder daran – dass wir alle so unterschiedlich sind.
- Geprägt von verschiedenen Geschichten.
- Verschiedenen Erfahrungen.
- Verschiedenen Schwingungen.
Und manchmal – wenn mir jemand begegnet, dessen Schwingung mich herausfordert – dann ist das vielleicht genau die Einladung.
Innezuhalten. Zu atmen.
Und zu fragen:
Was siehst du, das ich noch nicht sehe?
Und auch – steht mir zu, mich einzumischen?
Ist es wirklich Liebe, die mich antreibt?
Oder nur meine eigene Sichtweise?
Das ist für mich Upeksha.
Kein ewiges Verständnis.
Sondern der Versuch – immer wieder neu – die Liebe als Impuls zu wählen.
Nicht meine Vorstellung von dir.
Sondern echtes Interesse – an dem, was du wirklich bist.
Und was du werden möchtest.
Reflexionsfragen
- Wem begegnest du gerade mit deinen eigenen Maßstäben – und was kostet dich das?
- Wo fällt es dir schwer, den anderen einfach sein zu lassen?
- Gibt es jemanden in deinem Leben, dessen Entfaltung du wirklich unterstützen möchtest – ohne eigene Erwartungen?
- Ist es Liebe, die dich antreibt – oder deine eigene Sichtweise?

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