Dharana.
Ich hatte keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt.
Also bin ich der Wurzel des Wortes gefolgt –
Dhr – halten, tragen, festhalten.
Hmm.
Hört sich eigentlich sehr gegenteilig an zu dem, was wir sonst immer wieder üben.
Wir wollen vieles lösen.
Uns befreien – von Glaubenssätzen, von Mustern, von allem, was uns schwer macht.
Und nun soll ich plötzlich etwas festhalten?
Was denn eigentlich?
Es geht darum, unseren Geist zu halten.
Klar.
Konzentriert.
Fokussiert.
Ah ja – ist vielleicht dein erster Impuls – Konzentration.
Das kann ich gebrauchen.
Und ich kann das bestätigen:
Meine Aufmerksamkeitsspanne hat enorm abgenommen.
Ich konsumiere Informationen gerne sehr schnell – und dann ganz viel davon.
Immer weiter, immer mehr.
Deswegen ist es mit meiner Konzentration ehrlich gesagt nicht so weit her.
Genau das wollen wir nun üben.
Wie toll!
Was Dharana eigentlich bedeutet
Patanjali beschreibt Dharana als den Schritt, in dem wir unseren Geist auf einen einzigen Punkt richten – und ihn dort halten.
- Nicht um produktiver zu werden.
- Nicht um besser zu performen.
- Nein – ganz absichtslos.
Na ja, vielleicht doch nicht ganz.
Denn wir werden ermuntert, genau das zu üben – um uns im yogischen Sinne weiterzuentwickeln.
Uns mit einem Punkt zu verbinden.
Uns auf etwas auszurichten.
Unseren Geist zu kontrollieren – und nicht andersherum.
Dieses ewige Fordern nach mehr, nach schnell – das wollen wir wieder in den Griff bekommen.
Und ich muss sagen:
Das ist eine fantastische Übung.
Denn was ich plötzlich alles entdecken kann, wenn ich mich wirklich auf etwas konzentriere – ist enorm.
Ganz besonders in der Natur.
Was sie hervorbringt – das ist, glaube ich, gar nicht zu toppen.
Was für ungeheure Pflanzen und Tiere es gibt.
Die sich vollständig ihrer Umgebung anpassen können – oder das genaue Gegenteil tun und durch unglaubliche Muster und Schönheit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Es lohnt sich also, etwas wirklich zu erleben – mit allen Facetten.
Zu sehen, zu hören, zu riechen.
Nachdem wir unsere Sinne zurückgezogen haben – ist das ein großes Geschenk:
- Wirklich wahrnehmen.
- Wirklich eintauchen.
- Wirklich da sein.
Drishti – der Blickpunkt im Yoga
In der Yogapraxis kennen wir Dharana durch ein ganz konkretes Werkzeug:
Drishti – der bewusste Blickpunkt.
Drishti bedeutet auf Sanskrit so viel wie „Sicht" oder „Blick".
Es ist die Praxis, den Blick – und damit den Geist – auf einen festen Punkt auszurichten.
Nicht starren.
Nicht anspannen.
Sondern weich, ruhig und bewusst – auf einem Punkt verweilen.
Das kann ganz einfach sein – ein ruhiger Punkt an der Wand.
Die Spitze des Mittelfingers in der ausgestreckten Hand des Kriegers.
Der Daumen in Trikonasana.
Es braucht kein besonderes Ziel – nur einen Punkt.
Und die Entscheidung, den Blick dort zu lassen.
Auf diesen gewählten Punkt darf der Geist sich ablegen.
- Sich konzentrieren.
- Fokussieren.
- Ruhig werden – und aufhören herumzuwandern im Gedanken.
Und wer schon einmal versucht hat, im Baum zu stehen ohne festen Blickpunkt – der weiß:
Der Geist entscheidet, ob wir fallen oder nicht.
Wie sich das in meiner Praxis zeigt
Dharana beginnt nicht mit Perfektion.
Es beginnt mit dem Bemerken – wann schweife ich ab?
Wann bin ich schon wieder woanders?
Und dann: dem sanften Zurückkehren.
Immer wieder.
Ohne Urteil.
Ohne Ungeduld.
Genau das ist die Übung.
Und was hat das mit dem Leben zu tun?
Wir leben in einer Zeit, die uns permanent ablenkt.
Der nächste Post.
Die nächste Nachricht.
Der nächste Gedanke.
Und irgendwann merken wir – wir sind überall.
Nur nicht hier.
Dharana fragt uns:
Was wäre, wenn du dich einer einzigen Sache wirklich widmest?
Nicht multitaskst.
Nicht halbherzig dabei bist.
Sondern wirklich eintauchst – mit dem ganzen Geist, mit allen Sinnen, mit voller Aufmerksamkeit.
Eine sehr große Herausforderung.
Nimmst du sie an?
Asanas
- Krieger II (Virabhadrasana II)
Der Blick geht weit nach vorne – über die Spitze des Mittelfingers hinaus.
Klar. Ausgerichtet. Kraftvoll.
- Dreieck (Trikonasana)
Der Blick wandert nach oben – zur oberen Hand.
Eine neue Perspektive.
Ein neuer Horizont.
Der Geist folgt dem Blick – und findet Weite.
- Baum (Vrikshasana)
Ohne festen Blickpunkt fällt man.
Das ist keine Metapher – das ist die Wahrheit dieser Haltung.
Der Geist entscheidet, ob wir stehen oder wanken.
„Ich bin geerdet. Ich bin fokussiert."
- Drehsitz (Ardha Matsyendrasana)
Der Blick folgt der Drehung – weit nach hinten.
Was liegt hinter mir?
Was darf ich loslassen – um mich neu auszurichten?
Trataka – Kerzenmeditation
Der Blick ruht unbeweglich auf der Flamme.
Kein Wandern.
Kein Suchen.
Nur dieser eine Punkt.
Eine der ältesten Dharana-Übungen im Yoga – und eine der kraftvollsten.
Die Flamme bewegt sich – der Geist bleibt still.
Ätherische Öle
- Lemon
Der frische, klare Duft von Zitrone weckt den Geist auf.
Er bündelt die Aufmerksamkeit – sanft aber bestimmt.
Lemon unterstützt die Konzentration und bringt Klarheit in den mentalen Raum.
Genau das, was wir für Dharana brauchen.
- SuperMint
SuperMint energetisiert den Geist und richtet die Aufmerksamkeit aus.
Es löst mentale Blockaden – dieses Gefühl von Stagnation, wenn der Kopf sich im Kreis dreht und nicht weiterkommt.
Es kühlt überhitzte Gedanken.
Einen Moment innehalten.
Atmen.
Und wieder klar sehen – was gerade wirklich wichtig ist.
Mein persönliches Resümee
Ich gebe es offen zu – mein Geist schweift ab.
Schnell. Oft. Und gerne.
Ich konsumiere, springe, wandere – von Gedanke zu Gedanke, von Thema zu Thema.
Und Dharana hat mir gezeigt: Das muss ich nicht bekämpfen.
Ich darf es einfach bemerken.
Und zurückkehren.
Immer wieder.
Was mich dabei am meisten überrascht hat – ist nicht die Ruhe, die entsteht.
Es ist die Tiefe.
Was ich plötzlich sehe, wenn ich wirklich hinschaue.
Was ich höre, wenn ich wirklich zuhöre.
Was ich spüre, wenn ich wirklich da bin.
Dharana ist für mich die Kunst, wirklich anzukommen.
Bei dem, was gerade ist.
Bei dem, was ich gerade erlebe.
Mitten im Alltag.
Reflexionsfragen
- Wann habe ich zuletzt etwas wirklich – mit voller Aufmerksamkeit – erlebt?
- Wie oft schweife ich ab – und wohin zieht es mich?
- Was würde ich entdecken, wenn ich einer einzigen Sache wirklich tief begegne?
- Wo in meinem Leben fehlt mir Ausrichtung – und was kostet mich das?
- Was wäre, wenn ich heute einen einzigen Moment wirklich vollständig da bin?
- Worauf möchte ich meinen Geist ausrichten – in dieser Woche, in diesem Leben?

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