Wie gehst du mit Social Media um?
Bist du dabei – oder lässt dich das Thema völlig kalt?
Ob Instagram, TikTok oder noch oldschoolmäßig Facebook – ich gebe offen zu: der Einfluss ist bei mir enorm.
Ich schaue total gerne, was bei meinen Freunden los ist.
Ich liebe Veranstaltungstipps – mein Gott, was gibt es in Bremen alles zu erleben.
Und wenn mir die neuesten Stylingtipps in den Feed gespült werden – möchte ich am liebsten jeden Trend mitmachen.
Und dann merke ich manchmal nicht, wie schnell ich doch länger scrolle als gedacht.
Wünsche poppen auf, von denen ich vorher keine Ahnung hatte.
Ich werde also stark von außen beeinflusst – ohne es wirklich zu merken.
Und das machen nicht nur die sozialen Medien.
Es gibt so viele Einflüsse auf uns – das ist zum einen wunderbar und macht Spaß.
Zum anderen lohnt es sich hinzuschauen, wohin unsere Energie dabei wirklich fließt.
Und du ahnst es schon – im Yoga finden wir auch hierzu kluge Hinweise.
Willkommen bei Schritt fünf: Pratyahara.
Was Pratyahara eigentlich bedeutet
Das Wort setzt sich zusammen aus: Pratya – zurückziehen. Ahara – das, was wir aufnehmen.
Alles, was von außen auf uns einströmt.
Pratyahara bedeutet also: den Rückzug der Sinne.
Patanjali beschreibt es als den Schritt, in dem wir aufhören, von außen gezogen zu werden – und die Sinne sanft nach innen lenken.
- Nicht Abschottung.
- Nicht Askese.
- Sondern bewusst wählen, wohin die Aufmerksamkeit geht.
Erst wenn die Sinne zur Ruhe kommen, kann auch der Geist zur Ruhe kommen.
Und genau das ist das Ziel.
Pratyahara ist das fünfte Glied im Achtfachen Pfad – und es baut auf allem auf, was vorher kam.
- Erst wenn der Körper zur Ruhe gefunden hat.
- Erst wenn der Atem fließt.
- Dann kann ich überhaupt wahrnehmen, wohin meine Sinne wandern.
Wie sich das in meiner Praxis zeigt
Auf der Matte ist es manchmal ganz einfach:
- Die Augen schließen.
- Nach innen lauschen.
- Spüren, was gerade wirklich da ist – ohne äußeren Impuls.
Und gleichzeitig – gar nicht so einfach.
Denn der Kopf sucht sofort nach dem nächsten Reiz.
Nach der nächsten Aufgabe.
Nach dem, was noch erledigt werden muss.
Pratyahara üben bedeutet für mich:
- immer wieder sanft zurückkehren.
- Nicht kämpfen.
- Nicht zwingen.
- Sondern einladen.
Und was hat das mit dem Leben zu tun?
Es sind nicht nur die sozialen Medien.
Von überall strömt es auf uns ein – Meinungen, Erwartungen, Ratschläge.
Von Menschen, die es gut mit uns meinen.
Von Gewohnheiten, die wir irgendwann übernommen haben – ohne wirklich zu fragen, ob sie zu uns passen.
Wer oder was zieht mich gerade?
Welchem Impuls folge ich – und ist es wirklich meiner?
Vielleicht braucht es genau das – ein bewusstes Innehalten.
Ein paar tiefe Atemzüge.
Den Rückzug der Sinne.
Nicht um die Welt auszublenden.
Sondern um wieder zu hören, was in mir selbst passiert.
Was zieht mich?
Was schiebt mich?
Und wohin gehe ich leichtfüßig – mit voller Aufmerksamkeit, mit Achtsamkeit, ganz bei mir?
Asanas
- Kindshaltung (Balasana)
Der Körper faltet sich ein.
Der Blick geht nach unten.
Die Außenwelt wird leiser.
Eine natürliche Einladung – sich zurückzuziehen.
Ganz ohne Erklärung.
„Ich darf innehalten."
- Vorwärtsbeuge im Stehen (Uttanasana)
Der Kopf hängt schwer.
Die Gedanken leeren sich.
Die äußeren Impulse lösen sich.
- Vorwärtsbeuge im Sitzen (Paschimottanasana)
Tief verbunden mit sich selbst.
Der Atem fließt.
Die Sinne kehren nach innen.
Nur spüren.
Nur jetzt.
- Schildkröte (Kurmasana)
Die Schildkröte zieht sich in ihr Haus zurück – genau wie wir in dieser Woche.
Kaum eine Haltung verkörpert Pratyahara so klar und deutlich.
Nach innen.
Tief.
Geschützt.
- Schulterstand (Sarvangasana)
Die Perspektive kehrt sich um – körperlich und innerlich.
Was außen war, wird innen.
Eine Einladung, die Welt einmal anders zu sehen.
- Shavasana
Die schwierigste Haltung im Yoga.
Nichts tun.
Nirgendwo hin.
Einfach da sein – und beobachten, was auftaucht.
„Ich bin genug. Genau so. Genau jetzt."
Ätherische Öle
- Vetiver
Das Leben zieht uns in viele Richtungen – zwischen Prioritäten, Menschen, Einflüssen.
Vetiver bringt uns zurück.
Es erdet, verbindet uns wieder mit dem, was wir wirklich denken und fühlen – jenseits von allem, was von außen auf uns einströmt.
Ein Öl für alle, die tief in sich selbst ankommen möchten – nicht um zu fliehen, sondern um bei dir zu sein.
- Zeder
Manchmal ziehen wir uns zurück – nicht weil wir Stille suchen, sondern weil wir uns von anderen getrennt fühlen.
Zeder erinnert uns: Wir sind nicht allein.
Sie öffnet das Herz für die Menschen, die bereits da sind – und lädt uns ein, Kraft nicht nur in uns selbst zu suchen, sondern auch in der Gemeinschaft um uns herum.
Geben und empfangen.
Beides.
- Wildorange
Wildorange erinnert uns daran, dass das Leben nicht nur aus Leistung besteht.
Sie bringt Leichtigkeit, Freude und Spontaneität – und lädt uns ein, den inneren Antreiber kurz zu pausieren.
Denn in uns steckt eine natürliche Fülle, die nichts mit Produktivität zu tun hat.
Mein persönliches Resümee
Ich habe gemerkt, dass ich lange vielen Dingen gefolgt bin – ohne wirklich zu fragen, ob sie zu mir gehören.
Nicht weil jemand böse Absichten hatte.
Sondern weil Einflüsse von außen so leise kommen, dass ich sie irgendwann für meine eigenen gehalten habe.
Meine Praxis hat mir gezeigt:
Wenn ich wirklich still werde – tief atme, die Sinne zurückziehe, mich selbst beobachte – dann spüre ich den Unterschied.
Zwischen dem, was mich zieht.
Und dem, was mich trägt.
Das ist kein großer dramatischer Moment.
Es ist ein leises Erkennen.
Und je öfter ich das übe, desto klarer wird mein eigener Weg – leichtfüßig, achtsam, verbunden.
Mit mir.
Mit dem Leben.
Mit dem, was gerade wirklich ist.
Das ist für mich Pratyahara.
Kein Rückzug vom Leben – sondern die Rückkehr zu mir.
Mitten im Leben.
Reflexionsfragen
- Wohin wandert meine Aufmerksamkeit heute – bewusst oder unbewusst?
- Welche äußeren Einflüsse tun mir gut – und welche kosten mich Energie?
- Wann habe ich zuletzt einfach nichts konsumiert – und wie hat sich das angefühlt?
- Was würde ich wahrnehmen, wenn ich heute einmal kurz pausiere?
- Was brauche ich wirklich gerade – und was wurde mir eingeredet?
- Schaue ich gerade – oder werde ich gezogen?

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