Als ich das erste Mal von Pranayama gehört habe, konnte ich mit dem Begriff nicht viel anfangen - er hat mich nicht erreicht und ich fand die Erklärung irgendwie esoterisch....
Lenkung der Energie und des Atems - oder so ähnlich.
Und mein Atem?
Der lief einfach mit.
Nebenbei.
Ohne große Aufmerksamkeit.
Er war einfach da.
Bewusst wurde er mir eigentlich erst, wenn er knapp wurde – beim Treppensteigen, beim Aerobic, wenn der Körper einfach mehr brauchte.
Als ich dann mit meiner Asanapraxis begann, veränderte sich das.
Ich erkannte, wie unglaublich die Atmung mich unterstützen kann – sie gibt mir Leichtigkeit, Tiefe und vor allem Verbindung.
Verbindung wozu – dazu kommen wir noch.
Aber erstmal: Was bedeutet Pranayama eigentlich?
Der Begriff setzt sich zusammen aus:
Prana – die Lebensenergie, die durch uns fließt.
Ayama – Ausdehnung, Lenkung, Bewusstsein.
Eine bewusste Einladung, diese Energie wahrzunehmen – und ihr Raum zu geben.
Pranayama ist das vierte Glied im Achtfachen Pfad von Patanjali – nach Asana, nicht zufällig.
Wir bringen den Atem, die Energie, ganz bewusst in unsere physische Praxis.
Und spüren dabei, wie elementar wichtig der Atem wirklich ist.
Wie sich mein Bezug zur Atmung verändert hat
Durch meine Praxis habe ich etwas bemerkt.
Der Atem lügt nicht.
Wenn ich gehetzt bin, ist er flach.
Wenn ich Sorgen trage, halte ich ihn an.
Wenn ich endlich ankomme – wird er tief.
Weit.
Ruhig.
Heute ist das bewusste Atmen ein wichtiger Teil meiner Praxis auf und neben der Matte.
Denn das bewusste Atmen verbindet mich mit mir, dem Leben, dem JETZT!
Stehen bleiben.
Einatmen. Ausatmen.
Spüren, wo ich wirklich bin.
- Ich finde Abstand zum Gedankenkarussell.
- Mein Geist wird ruhiger.
Und gleichzeitig – das klingt paradox, ist es aber nicht – steigt meine Energie.
Gelassener und lebendiger zugleich.
Und was hat das mit dem Leben zu tun?
Vielleicht kennst du das – dieses Gefühl, einen vollen Tag hinter sich zu haben und trotzdem nicht wirklich dabei gewesen zu sein.
Der Atem ist der kürzeste Weg zu dem was jetzt ist.
Nicht als Technik.
Nicht als Aufgabe.
Sondern als Einladung – kurz stehen zu bleiben.
Tief einzuatmen. Tief auszuatmen.
Ehrlich hinzuschauen, was gerade wirklich ist.
Ob das mitten im Stress ist.
In einer Sorge.
Oder in einem ganz stillen Moment.
Der Atem ist immer da.
Die Frage ist nur – nehmen wir ihn wahr?
Es gibt unzählige Atemtechniken im Yoga.
In dieser Woche konzentrieren wir uns auf die Grundatmung – den Ujjayi.
Ujjayi – auf Sanskrit bedeutet das in etwa „das Siegreiche" oder „das Ozeanische".
Es ist ein Atem, der hörbar ist.
Warm.
Ozeanartig.
Durch die leichte Verengung der Stimmritze entsteht ein sanftes Rauschen – wie das Meer, das an den Strand rollt.
In der Praxis verbindet uns Ujjayi mit dem, was gerade ist.
Er verlangsamt.
Er trägt.
Er bringt uns von Haltung zu Haltung – nicht im Kopf, sondern im Körper.
Im Jetzt.
Und genau das ist die Einladung dieser Woche:
Lass uns fließen – von einer Haltung in die nächste, im Fluss unseres Atems.
Im Fluss unserer Energie.
Mitten in deinem Leben.
ÄTHERISCHE ÖLE
Pfefferminze
Pfefferminze bringt Freude.
Nicht die große, laute – sondern diese leichte, beschwingte Art, durch den Tag zu gleiten.
Sie erinnert uns daran, dass das Leben auch leicht sein darf.
Dass wir nicht immer kämpfen müssen.
Gerade in Momenten der Entmutigung hilft Pfefferminze, die Freude am Leben wiederzufinden – einen kurzen Atemzug Abstand zu nehmen, bevor wir wieder eintauchen.
Nicht als Flucht.
Sondern als Pause.
Als Kraftquelle.
Ravintsara
Ravintsara öffnet die Atemwege – ganz physisch, ganz spürbar.
Aber es wirkt tiefer.
Es lädt uns ein, mehr vom Leben einzulassen als wir uns bisher erlaubt haben.
Denn wenn wir unbewusst durchs Leben laufen – wird der Atem flacher.
Weniger nährend.
Weniger reinigend.
Und vielleicht ist das kein Zufall.
Vielleicht zeigt uns der Atem ganz ehrlich, wie sehr wir wirklich präsent sind.
Wie sehr wir wirklich teilnehmen – an unserem eigenen Leben.
Ravintsara räumt mentalen Nebel weg.
Es bringt Klarheit, wo wir feststecken.
Und schafft Raum – für neue Möglichkeiten, für Lösungen, für einen frischeren Blick.
Mein persönliches Resümee
Ich war lange jemand, der gerannt ist und immer wieder stelle ich fest, dass auch heute noch, dass ich manchen Weg entlangrenne.
Nicht im wörtlichen Sinne – sondern im Leben.
Immer das nächste.
Immer der nächste Plan.
Immer schon woanders, bevor ich wirklich ankomme.
Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass genau das der richtige Weg ist.
Produktiver werden.
Schneller werden.
Besser werden.
Aber was, wenn genau das uns vom Leben abhält?
Meine Yogapraxis hat mir gezeigt:
Das wahre Leben findet nicht im Rennen statt.
Es findet im Innehalten statt.
In der Verbindung zum Jetzt.
Und der Atem ist der direkteste Weg dorthin.
Er löst – ganz sanft, ganz ehrlich – von dem ewigen inneren Antreiber.
Von dem Gedankenkarussell.
Von dem „noch mehr, noch schneller, noch besser."
Und plötzlich sehe ich, was gerade wirklich passiert.
Mein Leben.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn alles erledigt ist.
Jetzt.
Und das Schöne daran?
Je mehr ich atme – bewusst, tief, vollständig – desto entspannter werde ich.
Desto mehr finde ich zu mir selbst.
Und gleichzeitig steigt meine Energie.
Gelassener und lebendiger zugleich.
Das ist für mich Pranayama geworden.
Keine Technik. Eine Haltung.
Eine Einladung – immer wieder stehen zu bleiben.
Tief durchzuatmen.
Und das Leben zu leben, das gerade ist.
Reflexionsfragen
- Wann habe ich heute zuletzt wirklich bewusst geatmet?
- Gibt es Situationen, in denen mein Atem flach wird oder ich ihn anhalte – was passiert da gerade in mir?
- Wo treibe ich mich selbst an – und was kostet mich das?
- Was würde sich verändern, wenn ich dreimal täglich einfach stehen bleibe und einen vollständigen Atemzug nehme?
- Was passiert gerade wirklich in meinem Leben – wenn ich ehrlich hinschaue?

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