Kürzlich war ich auf einer Geburtstagsfeier.
Mit Abstand die Älteste – und mittendrin in Gesprächen, die mich wirklich berührt haben.
Vor allem, wenn es um Partnersuche ging.
Ich habe großen Respekt davor, wie offen und selbstverständlich heute über Dating gesprochen wird.
Und auch dafür, wie viele Möglichkeiten es gibt, Menschen kennenzulernen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte.
Dating-Apps können verbinden.
Sie können Türen öffnen.
Und sie geben vielen Menschen überhaupt erst die Chance, jemanden zu finden, der wirklich passt.
Und gleichzeitig habe ich etwas anderes gehört:
Wie viel Druck da ist.
Wie viel Erwartung.
Wie viel inneres „Es müsste doch jetzt langsam mal…“
Vielleicht auch, weil alles so verfügbar wirkt.
Als könnten wir Liebe finden, wenn wir nur lange genug suchen, vergleichen, auswählen.
Und ich verstehe diesen Wunsch total.
Gerade in einer Welt, die sich oft schnell und unsicher anfühlt, entsteht das Bedürfnis, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Und dann ist da das Leben
Nur:
Das Leben funktioniert nicht wie ein Katalog.
Begegnungen lassen sich nicht planen.
Gefühle nicht erzwingen.
Und Verbindungen entstehen oft genau dann, wenn wir sie nicht kontrollieren.
Vielleicht liegt genau darin eine Einladung:
- Nicht alles festhalten zu wollen
- Nicht jede Unsicherheit sofort auflösen zu müssen
- Nicht immer zu wissen, wie es weitergeht
- Sondern offen zu bleiben.Wahrzunehmen, was sich zeigt.
- Und Schritt für Schritt mitzugehen.
Vertrauen statt Kontrolle
Dieses Vertrauen ins Leben – das, was im Yoga mit Ishvara Pranidhana beschrieben wird – bedeutet nicht, nichts zu tun.
Sondern:
- Deinen Teil zu machen
- Und den Rest loszulassen
Es bedeutet, aufmerksam zu sein.
- Für Zeichen.
- Für Begegnungen.
- Für das, was sich wirklich stimmig anfühlt.
- Und gleichzeitig die Idee loszulassen, dass wir alles steuern können.
Was dadurch entstehen kann
Wenn wir ein Stück Kontrolle abgeben, passiert oft etwas Unerwartetes:
- Der Druck wird weniger.
- Die Suche wird weicher.
- Und wir kommen wieder mehr in Kontakt mit uns selbst.
- Mit dem, was wir wirklich wollen.
- Und dem, was sich echt anfühlt – jenseits von „sollte“ und „müsste“.
ASANAS
USTRASANA (KAMEL)
- starke Herzöffnung → macht verletzlich
- du gehst bewusst in eine ungewohnte, „unsichere“ Position
- Kontrolle lässt sich hier nicht halten – nur atmen
„Ich öffne mich, auch ohne zu wissen, was kommt.“
WILD THING (CAMATKARASANA)
- spielerisch, unperfekt, frei
- bricht mit „so muss es aussehen“
- bringt Vertrauen in Bewegung
„Ich darf mich ausprobieren – ohne alles richtig zu machen.“
HIGH LUNGE MIT GEÖFFNETEN ARMEN
- gleichzeitig Kraft & Offenheit
- du bleibst präsent, obwohl es wackelig sein kann
- Kontrolle wird hier zu bewusstem Halten & Loslassen
„Ich bin stabil – und trotzdem offen.“
DREHUNG IM AUSFALLSCHRITT (PARIVRTTA ANJANEYASANA)
- fordert Fokus → der Wunsch nach Kontrolle wird spürbar
- Balance + Twist = inneres Chaos trifft Klarheit
- perfekt, um zu merken: nicht alles ist stabil
„Ich bleibe, auch wenn es nicht perfekt ist.“
SAVASANA
- „Spür, wo du noch festhältst“
- „Und dann entscheide dich bewusst, es nicht mehr zu tun“
„Ich gebe Kontrolle bewusst ab.“
ÄTHERISCHE ÖLE
SPANISH SAGE
- unterstützt dabei, ehrlich hinzuschauen
- hilft, Kontrolle loszulassen
- bringt Akzeptanz und innere Klarheit
Besonders schön, wenn Gefühle hochkommen, die du sonst eher „wegmachen“ willst.
WILD ORANGE
- öffnet den Blick für das, was schon da ist
- bringt Leichtigkeit und Zufriedenheit
- hilft, aus dem „Ich brauche noch…“ auszusteigen
Perfekt, um wieder ins Vertrauen zu kommen.
MEIN PERSÖNLICHES RESÜMEE
Mein Wunsch, das Leben zu kontrollieren, ist groß.
Ich wünsche mir vieles – und am liebsten würde ich oft alles sofort in die Hand nehmen.
Am besten jetzt erledigen.
Abhaken.
Meine innere Checkliste Stück für Stück abarbeiten.
Und dann merke ich – in den großen wie in den kleinen Dingen:
So funktioniert es nicht.
Immer wieder kommt alles anders, als ich es erwartet habe.
Pläne verschieben sich.
Dinge lösen sich nicht sofort.
Manches entzieht sich komplett meinem Einfluss.
Dann möchte ich mich daran erinnern, dass ich mehr ins beobachten gehe.
Was für Zeichen sendet mir das Leben.
Was ist jetzt angesagt und wo darf ich noch ein wenig abwarten.
Vielleicht kennst du die Geschichte von Siddhartha:
wie er auf der Suche ist und von Verzicht bis Überfluss alles ausprobiert – und dabei immer spürt, dass seine Zufriedenheit nicht von den Umständen abhängt.
Seine Suche endet an einem Fluss.
Dort lernt er von einem Fährmann, dass der Fluss ihm alles zeigen kann.
-
alles ist im Wandel
-
alles gehört zusammen
-
nichts lässt sich festhalten
-
das Leben geschieht gleichzeitig – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Er hört auf zu kämpfen.
Auf zu suchen.
Auf zu kontrollieren.
Und genau darin findet er Frieden.
Vielleicht kann ich mir ein wenig davon abschauen.
Wohne ich doch direkt am Fluss.
Und ausserdem habe ich die wunderbare Erfahrung machen dürfen, dass das Leben so großartige Überraschungen bereit hält, die ich nie erwartet hätte und ich bin ganz neugierig, was da wohlmöglich noch in meinem Fluss vorbeigeschwommen kommt.
Danke liebes Leben.
REFLEXIONSFRAGEN
- Wo in meinem Leben versuche ich gerade, etwas zu kontrollieren, das sich eigentlich nicht kontrollieren lässt?
- Was würde passieren, wenn ich hier einen Schritt zurücktrete – nicht aufgebe, sondern loslasse?
- Welche Situation fühlt sich gerade unsicher an – und was genau daran macht mir Angst?
- Vertraue ich dem Leben in diesem Bereich – oder versuche ich, es „richtig“ zu machen?
- Wo spüre ich Druck, dass „es jetzt endlich passieren sollte“?
- Was, wenn ich nichts falsch machen kann – sondern nur Erfahrungen sammle?
- Welche kleinen Zeichen oder Hinweise zeigt mir das Leben gerade, die ich vielleicht übersehe?
- Wo darf ich weicher werden – mir selbst gegenüber und dem, was gerade ist?
- Was halte ich krampfhaft fest – und warum?
- Wie würde ich handeln, wenn ich wirklich vertrauen würde?

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