WARUM BLEIBE ICH NICHT BEI DEM, WAS MIR GUT TUT? Zwischen Sofa und Selbstachtung

 

Ganz sicher gab es auch bei dir schon Momente, in denen du ins Wanken gekommen bist:

 

Gehe ich heute ins Studio – oder folge ich den lauten Rufen meines Sofas und der Fernbedienung?

 

Gerade wenn es draußen ungemütlich ist, wir müde sind und der Tag uns schon einiges abverlangt hat, gibt es plötzlich viele gute Argumente zu schwänzen.

 

Und hinterher?

 

Fühlen wir uns oft nicht besser.

 

Sondern ärgern uns.

 

Weil wir „nicht genug Disziplin“ hatten.

 

Und genau hier setzt Tapas an.

 

Im dreitten Niyama beschreibt Patanjali Tapas als Hitze.

 

Als reinigende Kraft. Als inneres Feuer.

 

Aber dieses Feuer ist kein Drill.

 

Es ist kein Selbstoptimierungsprojekt.

 

Es ist die Energie, die dich handeln lässt, obwohl der erste Impuls etwas anderes sagt.

 

--

 

Disziplin – aber bitte gesund

 

Das Wort Disziplin hat ein Imageproblem.

 

Es klingt nach:

 

  •  Härte
  • Funktionieren
  • Sich selbst antreiben
  • „Ich muss mehr“

Doch Tapas meint nicht Druck.

 

Tapas meint Integrität.

 

Ego-getriebene Disziplin fühlt sich eng an.

 

Sie entsteht aus Vergleich, aus Angst, nicht genug zu sein.

 

Echtes Tapas entsteht aus Selbstachtung.

 

Nicht:

 

„Ich sollte.“

 

Sondern:

 

„Ich entscheide mich.“

 

 --

 

Nicht alles ist verhandelbar

 

Wir führen ständig innere Verhandlungen:

 

  • „Heute nicht.“
  • „Nur dieses eine Mal.“
  • „Morgen wieder.“

Und manchmal ist das vollkommen richtig.

 

Aber manche Termine mit uns selbst dürfen nicht verhandelbar sein.

 

Nicht aus Strenge.

 

Sondern aus Klarheit.

 

Wenn deine Yogapraxis ein fester Termin ist – wie ein wichtiges Meeting – entfällt das Ringen.

 

Es steht nicht zur Diskussion.

 

Ich gehe.

 

Und plötzlich fühlt sich Disziplin nicht mehr hart an.

 

Sondern stabil.

  --

 

Der Unterschied liegt im Antrieb

 

Psychologisch ist dieser Unterschied gut erforscht.

 

Die Self-Determination Theory  zeigt:

 

Langfristig bleiben wir nur bei dem, was wir als selbstgewählt und sinnvoll erleben.

 

Extrinsischer Druck

  • Vergleich
  • Anerkennung
  • schlechtes Gewissen

wirkt kurzfristig.

 

Intrinsische Motivation

  • Sinn
  • persönliche Werte
  • Überzeugung

wirkt nachhaltig.

 

Neurowissenschaftlich betrachtet reagieren  unterschiedlich auf diese beiden Formen von Motivation.

 

  • Druck aktiviert Stress.
  • Sinn aktiviert fokussierte Energie.

Und genau das ist Tapas:

 

Anstrengung mit Bedeutung.

 

--

 

 

Tapas und dein drittes Chakra

 

Tapas ist eng verbunden mit dem Manipura – deinem Solarplexus.

 

Dieses Energiezentrum steht für:

  • Selbstvertrauen
  • Handlungsfähigkeit
  • gesunde Durchsetzungskraft
  • innere Stabilität

Wenn Manipura im Gleichgewicht ist, fühlt sich Disziplin warm an.

 

  • Nicht aggressiv.
  • Nicht getrieben.

Du spürst:

  • Wärme im Bauch
  • Aufrichtung
  • Klarheit
  • ruhige Entschlossenheit

Ist es im Ungleichgewicht, kippt es in Überkontrolle oder Antriebslosigkeit.

 

Tapas bringt es in Balance.

 

___

 

 

Durch Atemübungen und unsere Asanapraxis können wir Chakra drei und somit Hitze und inneren Antreib sehr stärken und spüren

 

Kapalabhati – Atem des Feuers

 

Eine der kraftvollsten Techniken, um Manipura zu aktivieren, ist Kapalabhati.

 

Es ist eine reinigende Atemtechnik mit aktiver Ausatmung.

 

So funktioniert sie:

  • Du sitzt aufrecht.

  • Der Bauch ist entspannt.

  • Die Einatmung geschieht passiv.

  • Die Ausatmung erfolgt aktiv und kraftvoll durch die Nase.

  • Der Bauch zieht sich bei jeder Ausatmung bewusst nach innen.

Das Tempo ist gleichmäßig, aber nicht hektisch.

 

Beispiel:
30–50 kraftvolle Ausatmungen
dann ruhig nachspüren.

 

Wirkung:

  • Aktivierung der Körpermitte

  • Anregung des Stoffwechsels

  • mentale Klarheit

  • energetische Wärme

Wichtig:
Nicht praktizieren bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, akuten Bauchproblemen oder Schwindel.

 

--

 

Asanas für dein inneres Feuer

 

 

  • Planke (Phalakasana)

Stabilität pur.
Hier zeigt sich, ob du bleibst oder ausweichst.

 

  • Seitstütz (Vasisthasana)

Aktiviert die schrägen Bauchmuskeln – die seitliche Stabilität im Leben.

  • Gedrehter Blitz (Parivrtta Utkatasana)

Tiefe Beugung der Knie + Rotation = intensive Hitze.
Hier lernst du, auch im Brennen ruhig zu bleiben.

 

  • Gedrehter Ausfallschritt (Parivrtta Anjaneyasana)

Kraft, Fokus und Balance treffen aufeinander.
Ein ehrlicher Test für dein inneres Zentrum.

 

  • Sitzende Drehung (Ardha Matsyendrasana)

Zum Integrieren.
Hier wird das Feuer ruhig und bewusst.

Twists wirken wie ein inneres Auswringen.
Nicht nur körperlich.

 

Auch mental. 

ÄTHERISCHE ÖLE

 

 

  • GINGER (INGWER)

 

Wärmend, aktivierend, stärkend.


Ginger unterstützt Entschlusskraft und hilft, ins Handeln zu kommen – besonders dann, wenn Trägheit oder Aufschieben dich bremsen.

 

Es bringt Bewegung ins System und entfacht dein inneres Feuer – ohne zu überhitzen. 

 

  • ROSEMARY (ROSMARIN)

 

Fördert Fokus und geistige Klarheit.


Rosemary hilft, wenn du dich verzettelst oder innerlich unruhig bist.

 

Es bündelt Energie und unterstützt eine klare Ausrichtung – ideal für Phasen, in denen Disziplin mehr Struktur als Druck sein soll.

  

  • CORIANDER (KORIANDER)

 

Coriander unterstützt dich dabei, dich vom Wunsch zu lösen, Dinge nur für die Anerkennung anderer zu tun.

 

Er hilft, vom Außen ins Innen zu kommen – weg vom „Ich will gefallen“ hin zu einem ehrlichen „Das entspricht mir“.

 

Coriander stärkt die Verbindung zum wahren Selbst und fördert Integrität statt Leistungsdruck.

 

--

  

Mein persönliches Resümee

 

Für mich ist Tapas heute nichts Lautes mehr.

 

Früher dachte ich, Disziplin bedeutet, stärker zu sein als meine Bequemlichkeit.


Heute weiß ich: Es bedeutet, mich nicht selbst im Stich zu lassen.

 

Es gibt Tage, da habe ich keine Lust.


Da verhandle ich innerlich genauso wie alle anderen.

 

Aber ich habe gelernt zu unterscheiden:

 

Gehe ich aus Druck?


Oder gehe ich, weil ich weiß, dass es mir entspricht?

 

Tapas fühlt sich für mich nicht wie Kampf an.


Sondern wie ein innerer Kompass.

 

Wie ein warmes Feuer im Bauch,

 

Und dann gibt es einfach Dinge in meinem Alltag, die nicht verhandelbar sind.


Die werden gemacht.

 

Nicht aus Zwang.


Sondern weil sie mich überzeugt haben.

 

Weil ich weiß, dass sie wichtig für mich sind.


Für meine Stabilität.


Für meine Klarheit.


Für mein inneres Gleichgewicht.

 

Nicht perfekt.


Nicht immer mit Begeisterung.

 

Und es spart viel Zerrissenheit.

 

Dieses "mache ich es" oder "mache ich es nicht" - dieser innere Dialog - der fällt weg.

 

Herrlich.

 

--

  

Reflexionsfragen für dich

 

Vielleicht magst du dir am Ende diese Fragen stellen:

  • Wo lasse ich mich selbst im Stich – obwohl ich es eigentlich besser weiß?

  • Welche meiner Gewohnheiten entstehen aus Druck – und welche aus Überzeugung?

  • Welche Termine mit mir selbst dürfen nicht mehr verhandelbar sein?

  • Fühlt sich meine Disziplin warm und stabil an – oder eng und getrieben?

  • Wofür lohnt es sich wirklich, mein inneres Feuer zu nutzen?

  • Wenn ich heute nur eine Sache tue, die mir wirklich gut tut – welche wäre das?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0