Vor vielen Jahren saß ich mit meinem Yogalehrer Young-Ho in der Türkei in einem Restaurant am Meer.
Das Essen war köstlich.
Die Gespräche tief und leicht zugleich.
Die Sonne sank langsam ins Wasser.
Ich sagte:
„Was für ein schöner Abend. Wenn man nur den Baum ein kleines Stück zur Seite rücken könnte, dann wäre der Sonnenuntergang noch schöner.“
Er lehnte sich zurück. Und ich bekam – völlig zu Recht – eine klare Antwort.
Nämlich, dass alles so perfekt sei, wie es ist.
Was für einen Unsinn hatte ich da gesagt.
Der Moment war vollkommen.
Wunderschöne Umgebung.
Gutes Essen.
Gute Gespräche.
Das Meer.
Der Sonnenuntergang.
Und ich?
Ich suchte nach dem Haar in der Suppe.
Ich konnte den Moment nicht einfach als das erleben, was er war:
- unendlich schön
- voller Dankbarkeit
- voller Fülle
Ich wollte optimieren.
Das zweite Niyama: Santosha
Im achtgliedrigen Weg aus den Yoga Sutra von Patanjali folgt auf Sauca das zweite Niyama: Santosha.
Meist übersetzt mit „Zufriedenheit“.
Aber nicht im Sinne von:
- „Ist halt so.“
- „Mehr geht nicht.“
- „Reicht schon.“
Sondern im Sinne von:
- Ein inneres Genug.
- Ein Frieden im jetzigen Moment.
- Ein Erkennen von Fülle.
- Nicht rennen.
- Nicht streben.
- Nicht optimieren.
- Sondern da sein.
Warum uns das so schwerfällt
Unser Geist ist auf Verbesserung programmiert.
Psychologisch spricht man vom „Hedonischen Adaptationseffekt“:
Wir gewöhnen uns unglaublich schnell an Schönes – und suchen sofort nach dem nächsten „Noch besser“.
Das Nervensystem ist evolutionär nicht auf Zufriedenheit ausgelegt, sondern auf Optimierung.
Yoga sagt:
Das Leiden entsteht nicht durch den Moment.
Sondern durch unseren Widerstand gegen ihn.
Santosha ist deshalb kein Zufall.
Es ist eine Praxis.
SANTOSHA AUF DER MATTE – WO MELDET SICH DEIN EGO?
Gerade in herausfordernden Asanas wird es spannend.
Nicht, um weniger zu machen.
Sondern um bewusst zu wählen.
Utkatasana – der ehrliche Spiegel
Der Stuhl brennt schnell in den Oberschenkeln.
Der Atem wird kürzer.
Der Kopf beginnt zu rechnen.
Bleibe ich aus Trotz?
Gehe ich raus aus Flucht?
Oder bleibe ich bewusst noch drei Atemzüge – und löse dann mit Würde?
Nicht Maximum.
Sondern stimmig.
Virabhadrasana II – Kraft ohne Drama
Der Krieger II lädt ein, tiefer zu gehen.
Stärker zu wirken.
Mehr zu zeigen.
Doch vielleicht sind heute 80 % genau richtig.
Santosha bedeutet hier:
Stabilität statt Spektakel.
Präsenz statt Beweis.
Navasana – Vergleich erkennen
Im Boot beginnt oft der Vergleich.
Wer hält länger?
Wessen Beine sind gestreckt?
Hier wird Santosha sehr konkret:
Beine beugen?
Hände stützen?
Oder bleiben?
Nicht aus Ehrgeiz.
Nicht aus Scham.
Sondern aus Klarheit.
Bakasana – Abheben oder bleiben
Vielleicht hebst du heute ab.
Vielleicht bleiben deine Füße am Boden.
Beides ist vollständige Praxis.
Santosha liegt nicht im Abheben.
Sondern im ehrlichen Erleben.
DIE ÖLE ZU SANTOSHA – ANNAHME & FÜLLE
Santosha ist nicht nur ein Gedanke.
Es ist ein Gefühl im Körper.
Ein inneres Weichwerden.
Ein „Ja“ zum Moment.
Aromen können genau diesen Raum unterstützen.
Spanish Sage – Ehrliche Annahme
Spanish Sage lädt uns ein, unserer eigenen Verletzlichkeit zu begegnen.
Nicht wegzuschauen.
Nicht zu beschönigen.
Nicht zu optimieren.
Dieses Öl unterstützt:
- die Annahme schwieriger Erfahrungen
- Ehrlichkeit mit sich selbst
- Dankbarkeit für die guten Momente
- Anpassungsfähigkeit im Wandel
- Hoffnung auf Wiederherstellung
- Es erinnert uns daran, dass wir unser Leben und unsere Entscheidungen selbst halten.
- Dass wir uns nicht im Mangel verlieren müssen.
- Dass wir – selbst in herausfordernden Phasen – geliebt sind.
Im Kontext von Santosha bedeutet das:
- Ich nehme an, was ist.
- Auch das Unperfekte.
- Auch das, was gerade schmerzt.
- Und trotzdem bleibe ich offen für die Fülle.
Wild Orange – Die Fülle sehen
- Wild Orange öffnet den Blick für das, was schon da ist.
- Sie hebt die Stimmung.
- Bringt Leichtigkeit.
- Und lässt uns die Fülle wahrnehmen, statt den Mangel.
Dieses Öl unterstützt:
- Dankbarkeit
- Lebensfreude
- Optimismus
- Vertrauen in den gegenwärtigen Moment
Wild Orange hilft uns, total zufrieden zu sein – nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil wir die Schönheit erkennen, die längst da ist.
MEIN PERSÖNLICHES RESÜMEE
Wenn ich heute an diesen Abend in der Türkei denke, weiß ich:
- Damals wollte ich den Baum verrücken.
- Heute kann ich ihn stehen lassen.
Heute kann ich diese Momente wirklich genießen.
- Ganz eintauchen.
- Dankbar.
- Demütig.
- Präsent.
Was sich hin und wieder noch zeigt, ist der Wunsch, dass solche Augenblicke nie enden mögen.
Doch auch das ist menschlich.
Vielleicht ist das meine nächste Übung in Santosha:
Nicht nur zufrieden im Moment zu sein –
sondern auch zufrieden damit, dass jeder Moment kommen und gehen darf.
Und genau darin liegt vielleicht die tiefste Freiheit.
REFLEXIONSFRAGEN ZU SANTOSHA
-
Wo versuchst du gerade, den „Baum“ zu verrücken?
-
Was in deinem Leben ist eigentlich schon wunderschön – nur nicht perfekt in deiner Bewertung?
-
In welcher Situation kämpfst du gegen den Moment statt ihn zu erleben?
-
Wo treibt dich dein „Noch besser“ – obwohl es vielleicht schon gut ist?
-
Was wäre heute dein ehrliches 80 %?
-
Kannst du in einer Herausforderung bewusst entscheiden statt automatisch reagieren?
-
Wann warst du das letzte Mal wirklich zufrieden – ohne dass sich im Außen etwas verändert hat?
-
Fällt es dir schwerer, etwas zu bekommen – oder etwas gehen zu lassen?
-
Kannst du zulassen, dass schöne Momente enden dürfen?
-
Was ist genau jetzt schon genug?
Und vielleicht die wichtigste Frage:
Wenn heute nichts mehr dazukommt –
kannst du trotzdem sagen: Es ist gut so?

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