In den letzten Woche haben wir uns mit den Yamas beschäftigt – den Leitlinien für unser äußeres Miteinander.
Jetzt marschieren wir auf dem achtgliedrigen Yogaweg einen Schritt weiter.
Im klassischen Yoga, beschrieben im Yoga Sutra von Patanjali, folgen auf die Yamas die Niyamas.
Wenn die Yamas fragen:
Wie begegne ich der Welt?
Dann richten die Niyamas den Blick nach innen:
Wie begegne ich mir selbst?
Das Wort Niyama setzt sich zusammen aus:
ni = nach innen
yama = Disziplin, Führung
Du könntest sagen:
- eine innere Ausrichtung.
- eine bewusste Selbstführung.
- eine gute Basis für dich selbst.
- Keine dogmatischen Pflichten.
- Keine moralischen Zeigefinger.
- Sondern eine Einladung.
- Impulse für dich – die dich unterstützen mögen.
Und der erste dieser fünf Niyamas heißt:
SAUCA – REINLICHKEIT
Reinlichkeit?
Huch.
Da fragst du dich vielleicht:
Was hat das mit meinem Inneren zu tun?
Ich glaube: eine ganze Menge.
Denn das Außen wirkt ins Innen.
Ich bemerke es immer wieder.
Wenn mein Zuhause oder mein Arbeitsplatz chaotisch sind, wird es schwierig mit innerer Ruhe, Fokus und Konzentration.
Das äußere Chaos spiegelt sich sofort im Inneren.
Und wenn ich dann Ordnung schaffe – nicht perfekt, nicht geschniegelt, sondern einfach klarer – dann wird es auch in mir ruhiger.
Ich fühle mich wohler.
Sortierter.
Das gilt übrigens auch digital.
Unsere Geräte sind heute ein Teil unseres Lebensraums.
Wenn mein Handy oder Macbook überquillt vor Apps, Nachrichten und offenen Tabs (ohje, da darf ich noch tüchtig üben)
fühlt sich auch mein Kopf voller an.
Sauca beginnt also ganz konkret im Alltag.
Sauca auf der Matte – zu Hause & im Studio
Und natürlich hängt auch unsere Yogapraxis stark mit dem Umfeld zusammen.
Wenn deine Matte zwischen Wäschebergen ausgerollt wird, wirkt sich das auf deine Praxis aus.
Vielleicht nur unbewusst.
Aber das reicht schon.
Ein klarer Raum unterstützt eine klare Praxis.
Im Studio genauso:
Persönlicher Klimbim gehört nicht mit in den Kursraum.
Neben deine Matte liegen nur deine Hilfsmittel.
Sonst nichts.
Nicht aus Strenge.
Sondern weil alles andere dich ablenkt.
Vielleicht nur minimal.
Aber auch das ist Energie.
Deine Matte ist ein besonderer Ort.
Ein bewusster Raum.
Und der darf sauber und klar sein.
Sauca und der Körper
Reinheit bedeutet im Yoga auch: körperliche Reinlichkeit.
Natürlich gewaschen zu sein – klar.
Schon aus Respekt voreinander.
Die Yogis kannten darüber hinaus teilweise ziemlich "strange" Reinigungstechniken:
Nasenspülungen, Zungenschaben, spezielle Magenreinigungen 😳.
Vielleicht nicht alles notwendig und wirklich umsetzbar in unseren Alltag.
Aber der Gedanke dahinter ist wichtig:
Den Körper als Tempel (klingt ein wenig kitschig - aber zeigt den Wert noch deutlicher) zu betrachten.
Ihn zu pflegen.
Ihn nicht zu vernachlässigen.
Nicht aus Eitelkeit.
Sondern aus Wertschätzung.
Und innen?
Im yogischen Sinne gelten auch negative, zerstörerische Gedanken als eine Form von „Verschmutzung“.
Und nein – das heißt nicht, dass wir jetzt alles rosa Einhorn-Glitzer sehen sollen.
Es geht nicht um eine Schönrederei.
Sondern um Bewusstheit:
- Welche Gedanken verschmutzen mich?
- Welche ziehen mich runter, ohne dass ich es merke?
- Welche nähren Vergleich, Selbstkritik oder Groll?
- Und welche Gedanken sorgen für Klarheit?
- Für Verbundenheit?
- Für ein gutes Miteinander – auch mit mir selbst?
Sauca im Inneren bedeutet:
- wahrnehmen.
- prüfen.
- und dann bewusst entscheiden, was ich weiter nähren möchte.
SAUCA IN BEWEGUNG – KLARHEIT IM SCHULTER-NACKEN-RAUM
Wenn wir über innere und äußere Reinheit sprechen, dann gibt es einen Bereich im Körper, in dem sich „Unordnung“ besonders gern sammelt:
- Schultern.
- Nacken.
- Oberer Rücken.
Hier tragen wir Verantwortung.
Druck.
Unausgesprochene Gedanken.
Zu viel Bildschirm.
Zu viel Müssen.
Sauca kann hier heißen:
- lösen statt festhalten.
- Weite statt Enge.
- Durchatmen statt hochziehen.
Deswegen wird unsere Asanapraxis in dieser Woche geprägt sein, von Haltungen die uns hier "aufräumen".
Wir werden hier für viel Weite sorgen. zB mit GARDUDASANA-Armen Auch ANAHATA Asana wird uns in Schultern und Nacken dienen.
Gomukhasana-Arme kommen noch dazu und schenken unseren Schultern Beweglichkeit.
Neben Weite werde wir auch für Kräftigung des oberen Rückens sorgen mit Shalabasana.
ÄTHERISCHE ÖLE
Zitrone – klärend, erfrischend, reinigend
Eukalyptus – befreiend für Atem und Kopf
Pfefferminze – fokussierend, kühlend
MEIN PERSÖNLICHES RESÜMEE
Ich merke immer wieder:
Wenn es im Außen unruhig wird, zieht es mich innerlich mit.
Und ich habe lange gedacht, ich müsste nur „mental stärker“ sein.
Heute weiß ich:
Ordnung im Außen ist keine Oberflächlichkeit.
Sie ist Unterstützung.
Wenn ich meinen Arbeitsplatz kläre (da gibt es einiges zu tun - immer wieder),
meine Matte bewusst ausrolle,
mein Handy aufräume –
dann tue ich das nicht aus Perfektionismus.
Sondern aus Fürsorge.
Sauca ist für mich kein Putzzwang.
Es ist Respekt.
Vor meinem Raum.
Vor meinem Körper.
Vor meinen Gedanken.
Und vielleicht ist genau das der Kern:
Nicht alles muss glänzen.
Aber es darf klar sein.
Vielleicht magst du diese Woche einfach beobachten:
Wo sammelt sich bei dir „Schulterlast“?
Wo tut ein bisschen Aufräumen gut – innen wie außen?
Und was verändert sich, wenn du dir selbst mehr Klarheit schenkst?
KONKRETE IMPULSE FÜR DICH
Hier ein paar kleine, machbare Schritte – ganz praktisch:
Zuhause
- Einen Bereich bewusst aufräumen (nicht alles!)
- Jeden Abend 5 Minuten „Klärzeit“
- Lüften – frische Luft verändert mehr, als wir denken
- Dinge aussortieren, die dich schon lange nerven
Digital
- Ungelesene Newsletter (den urban yoga Newsletter sicherlich, den ließt du ja aufmerkdam) abbestellen
- Apps löschen, die du nie nutzt
- Benachrichtigungen reduzieren
- Einen festen Handy-freien Zeitraum am Tag einführen
Auf der Matte
- Matte regelmäßig reinigen
- Vor der Praxis einmal bewusst durchatmen und den Raum wahrnehmen
- Keine Taschen oder privaten Dinge neben der Matte
- Einen klaren Anfang setzen – vielleicht mit einem bewussten Atemzug, bevor du startest
Im Inneren
- 5 Minuten still sitzen, ohne Input
- Einen negativen Gedanken bewusst umformulieren
- Dich fragen: „Dient mir das gerade?“

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