Loslassen nervt. Wie wäre es mit mehr Raum und weniger Erwartungen?

 

LOSLASSEN!

Schon wieder dieses Wort.


Es taucht andauernd auf, als würde es reichen, einmal tief zu seufzen und zack, alles ist gelöst.

 

Ich gebe zu:

 

Mich nervt dieser Begriff inzwischen.


Nicht, weil er falsch ist.

 

Sondern weil er überall auf uns einprasselt und oft so tut, als wäre Loslassen eine einfache Entscheidung.

 

Ein gut gemeinter Ratschlag, der leider selten erklärt, wie das eigentlich gehen soll.

 

Auch in den letzten Yamas ging es im weitesten Sinne schon um das Loslassen.


Wir haben angeschaut, wie viel Besitz, viele Dinge, viel horten uns nicht freier, sondern eher unbeweglicher macht.

 

Dass weniger manchmal tatsächlich mehr Raum schafft – zumindest im Außen.

 

Und jetzt kommt Yama 5 – Aparigraha.

 

 

Klassisch wird Aparigraha oft mit „Nicht-Anhaften“ oder „Nicht-Horten“ übersetzt.


Also… noch einmal loslassen.

 

Ja.


Aber diesmal lass uns etwas anders darauf schauen.

 

Aparigraha bedeutet für mich nicht, ständig irgendetwas wegzugeben oder immer noch leichter, entspannter, spiritueller werden zu müssen.


Ich übersetze dieses Yama lieber so:


👉 Ich muss nicht alles festhalten, um sicher zu sein.

 

 

Und damit verschiebt sich der Fokus.


Weg von Schubladen und Besitz.


Hin zu dem, was wir innerlich fest umklammern – oft ohne es zu merken. und obwohl ich weiß, da ist ganz viel, was sich sozusagen an mich klammert, habe ich noch nicht den "Spachtel" gefunden, der alles abkratzt und mich davon befreit.

 

Also schaue ich:  Wie kann ich einen "Dreh" daran bekommen.

 

Vielleicht so?


👉 Wie viel inneren Raum lasse ich mir – und wie viel ist schon mit Erwartungen zugestellt?

 

Die Idee vom Raum finde ich sehr gut vorstellbar - so wie ein Zimmer, was total vollgestellt ist und wo sich viele Dinge befinden, die wirklich unnötig sind.


Stellen wir uns also vor unser innerer Raum ist vollgestellt mit Erwartungen an uns und andere.

Erwartungen sind generell nichts Schlechtes.

 

Sie helfen uns, uns zu orientieren.

 

Aber wenn sie unbewusst werden, nehmen sie uns genau das, wonach wir uns eigentlich sehnen:

 

Weite, Ruhe, Beweglichkeit – innerlich wie äußerlich.

 

Vielleicht erkennst du das:

 

  • Ich erwarte, dass mein Körper heute „funktioniert“.
  • Ich erwarte, dass andere sich rücksichtsvoll, achtsam oder verständnisvoll verhalten.
  • Ich erwarte von mir selbst, gelassen, spirituell, ausgeglichen zu sein.
  • Ich erwarte, dass mein Partner ....

Und zack – ist der innere Raum plötzlich ziemlich eng und voll.

 

Aparigraha lädt uns ein, diese Erwartungen nicht wegzudrücken, sondern sie wahrzunehmen und so ganz bewusst ein kleines Stück lockerer zu lassen.

Vielleicht die ein oder andere Erwartung aus dem Raum zu fegen.

 

So kann sich wieder mehr Platz und Freiheit und ein besseres Miteinander entwickeln.

Nicht als Konzept – sondern als spürbare Erfahrung.

 

 

ASANAS

Diese Haltungen unterstützen weniger das „Tun“, sondern eher das Zulassen:

  • Sukhasana mit weiter Atmung

 

Setz dich aufrecht, ohne dich zu „optimieren“. Spür: Wo halte ich innerlich fest?

Mit jeder Ausatmung darf etwas weicher werden – ohne Ziel.

  • Seitbeugen wie Utthita Parsvakonasana  (seitlicher Winkel), Parighasana (kniende Seitbeuge) oder Banana Pose

 

Seitbeugen schaffen so viel Raum in unserem Brustkorb - die Weite kann sich in verschieden Richtungen entfalten.

 

Spür die Zwischenräume zwischen den Rippen – physisch und innerlich.

  • Rückbeugen bzw Herzöffner wie Urdhva Dhanurasana (ganzes Rad) oder Setu Bandha Sarvangasana (Schulterbrücke),  Salamba Bhujangasana (Sphinx) oder Ardha Pincha Mayurasana (Delfin)

 

Eine Einladung, Erwartungen an dich selbst für ein paar Minuten abzulegen.

 

Den Raum zu öffnen, zu schauen wie sieht es heute aus?

 

Ist dort Weite?

 

Welche Erwartungen dürfen gehen?

 

 

  • Viparita Karani (Beine an die Wand oder locker nach oben)

 

Alles darf schwer in den Boden sinken. (obwohl die Beine oben sind :))

 

Gedanken, Vorstellungen, innere Kommentare – nichts muss gelöst werden, nur abgelegt.

ÄTHERISCHE ÖLE

 

  • Lemon / Zitrone 

Wirkt frisch und ordnend, besonders wenn Gedanken kreisen und Erwartungen laut werden.


Nicht als Aufforderung, etwas „wegzumachen“, sondern als Einladung, wieder Luft zwischen die Gedanken zu lassen.

 

  • Lavender / Lavendel 

Bringt Weichheit in den Prozess.


Gut, wenn innerer Anspruch hoch ist oder das Thema Loslassen schnell Druck erzeugt.

 

Lavendel erinnert daran, dass Raum auch sanft entstehen darf.

 

  • Basil / Basilikum 

Unterstützt mentale Klarheit und Fokus.


Eher ein inneres Sortieren als ein Reset – passend für Momente, in denen vieles gleichzeitig da ist, aber nicht alles gleich wichtig sein muss.

 

 

MEIN PERSÖNLICHES RESÜMEE

 

Wie werde ich Aparigraha in mein Leben einladen?

 

Ein bewusstes Freiräumen von innen.

 

Je weniger Erwartungen ich festhalte, desto ehrlicher kann ich wahrnehmen, was gerade wirklich da ist – im Körper, im Atem, im Alltag.

Je mehr ich alte Muster, Glaubenssätze und das verletzte kleine Mädchen beiseiteräumen kann, desto schöner wird mein "Zimmer", freier und luftiger und womöglich schaue ich doch noch mal in meinem Kleiderschrank und in all die Schubladen, was ich nun endlich rausschmeißen kann. 

 

 

REFLEXIONSFRAGEN FÜR DICH

 

 

  • Welche Erwartungen begleiten mich gerade – unausgesprochen, aber wirksam?
  • Wo würde ein kleines bisschen weniger innerer Anspruch schon Raum schaffen?
  • Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich nichts verbessern will?
  • Wovon darf ich mich endgültig verabschieden, obwohl es an mir klebt wie eine Klette?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0