Die Yamas und Niyamas sind ein wichtiger Teil des Yoga Sutra.
Nach drei Jahren ist es wieder einmal an der Zeit, sich dem achtgliedrigen Pfad ( ein Weg zur inneren Entwicklung) zuzuwenden – und damit ganz bewusst diesem Abschnitt der Yamas und Niyamas - womit der achtgliedrige Pfad beginnt.
Was bedeutet überhaupt Yama bzw. Niyama?
Es geht um einen Leitfaden, den uns das Yoga Sutra schenkt:
- zuerst für den Umgang mit der Welt, dem Außen (Yamas),
- und dann – bei den Niyamas – für den Umgang mit uns selbst.
Diese Reihenfolge ist interessant:
Wir gehen nicht von innen nach außen, sondern genau andersherum.
Es gibt Hinweise darauf, die ich gefunden habe, dass es sinnvoll ist, mit dem Außen zu starten, weil wir uns dem Inneren gelassener zuwenden können, wenn wir im Außen eine gewisse Ordnung geschaffen haben.
Oder auch, dass es zu Hochmut führen kann, wenn man sich zuerst mit sich selbst beschäftigt, ohne das Außen zu reflektieren (T. K. V. Desikachar).
Also beginnen wir mit den Yamas, dem Umgang mit dem Außen, mit der Welt.
Damit haben wir in der letzten Woche schon heimlich gestartet:
Ahimsa – die Gewaltfreiheit.
Lasst uns nun direkt weitergehen zum zweiten Yama:
Satya – der Wahrhaftigkeit.
Und hier mischen sich plötzlich das Äußere und das Innere.
Bin ich mir treu oder setze ich häufig Masken auf, wenn ich im Umgang mit anderen bin?
Sage ich meine Wahrheit – und kann ich sie so formulieren, dass ich nicht verletze?
Macht es überhaupt Sinn, andauernd jedem die eigene Wahrheit ungefiltert vor die Nase zu binden?
Da dürfen wir auch noch einmal hinschauen.
Werden wir gefragt?
Oder haben wir immer einen guten Ratschlag bereit auch und geben den auch gern ungefragt weiter?
Ein einfaches Beispiel:
Deine Freundin kommt super stolz daher – neues Styling.
Frisur, Make-up, neue Klamotten.
Sie strahlt.
Und dieses Strahlen macht sie hundertmal hübscher als das eigentliche Umstyling, das du vielleicht eher unvorteilhaft findest.
"Wie findest du meinen neuen Style?" fragt sie dich nun erwartungsvoll.
Also was tun – die Wahrheit sprechen?
Puh … das ist gewagt. Denn das könnte das Strahlen verschwinden lassen.
Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, wahrhaftig zu sein und nicht zu verletzen.
Denn genau das möchten wir im Umgang mit unserem Außen lernen.
„Du bist bildschön, wenn du so strahlst.“
Zugegeben: Nicht immer ist es so einfach.
Und ich glaube ganz fest, dass es – gerade wenn es um wichtige Werte geht – ausgesprochen wichtig ist, diese auch zu äußern und die eigene Wahrheit nach außen zu tragen. Auch und vermutlich auch gerade, wenn es auf Widerstand trifft.
Wir dürfen sicherlich lernen, das sachlich und freundlich zu tun.
Wie wir herausfinden, was unsere Wahrheit ist und welche Tools uns das Yoga Sutra dafür zur Verfügung stellt, lernen wir bei den Niyamas.
Es bleibt also ausgesprochen spannend.
Ehrlichkeit mit Sanftmut im Außen zu zeigen – das dürfen wir diese Woche üben.
ASANAS
- Tadasana – Berghaltung
Basis, Aufrichtung, Ehrlichkeit im Stand.
- Virabhadrasana I,II & III – KriegerI,II & III
Klarheit, Standfestigkeit, innere Ausrichtung.
- Utthita Trikonasana – Dreieck
Offenheit bei gleichzeitiger Stabilität.
- Ardha Chandrasana – Halbmond
Balance zwischen Innen und Außen.
- Vrksasana – Baum
Aufrichtigkeit und Authentizität.
Hier wird sehr ehrlich sichtbar, wo ich wackle – und wo ich stehe.
- Paschimottanasana – Sitzende Vorbeuge
Rückzug, Nachspüren, Wahrnehmung der eigenen Grenzen.
ÄTHERISCHE ÖLE
- BALANCE (ERDUNGSMISCHUNG)
stabilisierend
zentrierend
unterstützt innere Ausgeglichenheit
- LEMON / ZITRONE
klärend
fördert mentale Ehrlichkeit und Frische
- ROSEMARY / ROSMARIN
fokussierend
wach
unterstützt klare Präsenz
MEIN PERSÖNLICHES RESÜMEE
.
Aus meiner Sicht ist Humor eines der wertvollsten Werkzeuge für Wahrhaftigkeit.
Humor hilft uns, uns selbst nicht zu wichtig zu nehmen und gleichzeitig ehrlich zu bleiben.
Oft ist es nicht der Inhalt unserer Wahrheit, der verletzt, sondern die Schwere, mit der wir sie vortragen.
Ein Lächeln, ein Augenzwinkern, ein bisschen Selbstironie öffnen einen Raum, in dem Wahrheit leichter angenommen werden kann.
Humor macht weich, wo wir sonst hart werden könnten.
Er verbindet, wo sonst evtl. Distanz entsteht.
Und vielleicht ist genau das die Kunst von Satya:
die Wahrheit zu sagen –
ohne die Verbindung zu verlieren.
REFELEXIONSFRAGEN FÜR DICH
- Wo sage ich „Ja“, obwohl ich eigentlich „Nein“ meine?
- In welchen Situationen setze ich eine Maske auf – und wofür?
- Was wäre eine Wahrheit, die ich respektvoll aussprechen könnte, statt sie zurückzuhalten?
- Wann war ich zuletzt ehrlich – und gleichzeitig freundlich?
- Dient das, was ich sagen will, wirklich der Verbindung – oder nur meinem Recht, recht zu haben?

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