Was ist Yoga? Poetry Slam von Hilke

Während des Urban Yoga Teacher Trainings beantwortet jeder Teilnehmer die Frage: Was ist Yoga.

 

Die Antworten fallen ganz unterschiedlich aus, was aus unserer Sicht sehr gut und erwünscht ist.

 

Yoga zu unterrichten bedeuten vor Allem authentisch zu sein und sich selbst immer wieder diese Fragen zu stellen, damit wir unsere Schüler erreichen und Ihnen aus tiefsten Herzen mitgeben können, was jedem einzelnen Lehrer wichtig ist.

 

Hilke hat uns zu Tränen gerührt mit Ihrem Poetry Slam und wir sind sehr dankbar, dass wir Ihren Text hier veröffentlichen dürfen. Danke liebe Hilke.

 

Was ist Yoga für mich?

 

Was Yoga ist, ist eigentlich die falsche Frage, 

denn viel spannender ist doch,

wie sich dieses Yoga in mein Leben geschlichen hat.

Während ich gelähmt am Boden lag und ein Scherbenhaufen war,

in völliger Dunkelheit. 

Als mir nicht vorstellen konnte, dass da mal ein Licht auftauchen würde

habe ich auch das Yoga nicht kommen sehen.

Ich wusste nicht wer ich bin, was ich fühle, wie ich mit dem gefühlten umgehen kann. 

Eigentlich wusste ich nichts.

Und ich wollte auch nicht hinsehen.

Wie gut also, dass dieses Yoga viel neugieriger war als ich 

und mir das nach und nach beigebracht hat.

 

Denn Yoga ist Neugier

auf das was in mir ist.

Yoga ist 

mich selber wahrzunehmen

auch wenn das schmerzhaft ist. 

 

Yoga zeigt mir, dass es mich gibt. Als Körper, als denkender Geist, als fühlendes Wesen. Und dass das wertvoll und liebenswert ist, unabhängig von Perfektion, Bewertungen und Unvollkommenheit. Yoga zeigt auch, das was fehlt oder blockiert ist. 

 

Yoga bedeutet das auszuhalten 

und sein zu lassen, 

los zu lassen,

zuzulassen,

mich fallen lassen, 

mich selber zu halten 

im Körper 

und in der Seele.

 

Es ist für mich eine Möglichkeit in Kontakt mit mir selber zu treten. 

Auf einem Weg, den das Denken nicht bietet. 

Durch die Konzentration auf Atem und Bewegungsabläufe beruhigen sich meine Gedanken. Das gibt mir Raum zu atmen, zu spüren. 

 

Wahrzunehmen, wie ich mich in diesem Moment fühle und liebevoll mit dem zu sein, was ich vorfinde. Es da sein zu lassen. Yoga ist nicht immer verstehen können oder müssen und trotzdem anzunehmen, dass alles, was in diesem Moment auftaucht, zu mir gehört.

 

Yoga ist Tanzen 

im Körper

und Ruhe

im Geist. 

Verbunden sein, 

im Hier und jetzt sein.

 

Spüren in Bewegung, meinen Körper in Sanftheit oder Anstrengung kennenlernen. Dem Atem lauschen, ihm folgen, ihn vertiefen. Meditation und zur Ruhe kommen in Bewegung; mit mir sein, in völliger Stille.

Yoga ist Hingabe

an das Neue,

das Unbekannte,

an den Atem 

an jeden Muskel. 

An manchen Tagen ist atmen so schwer, weil mir der Atem stockt oder ganz flach ist, weil ich die Luft anhalte. 

Momente in denen ich Angst vor Veränderungen habe, in denen ich etwas tue bei dem ich scheitern und wachsen könnte. 

Yoga ist dann: 

weiteratmen, 

so lange

bis ich wachsen kann. 

 

Yoga begleitet dieses Wachsen, 

dieses in ständiger Entwicklung sein

auf dem Weg zu Heilung. 

 

Heilung davon, mir selbst Druck machen, von Erwartungen und Glaubenssätzen, die mich daran hindern frei zu leben. Das ist schwer, weil all das so selbstverständlich ist. Das „besser sein müssen“, der „beat-yourself-Gedanke“, die Vergleiche, das „ich bin nicht gut genug-Gefühl“. 

 

Yoga zu üben bringt mir jeden Tag neu bei zu spüren, wie viel Energie und Kraft ich habe, welche Emotionen dominieren und daran meine Praxis auszurichten. Ich lerne nicht bloß mich korrekt auszurichten oder Balance zu üben. Ich lerne auch, mich nicht unter Druck zu setzen, weil Balance und Koordination nun mal meine Schwächen sind. Ich übe einfach weiter. 

Yoga bedeutet für mich, zu üben meinen eigenen Wert nicht daran zu binden und mich wohlwollend mit meiner unterschiedlichen Konstitution auseinanderzusetzen. Nicht nur auf der Matte, auch im Alltag. Wenn ich mich heute nicht sicher genug fühle einen Kopfstand zu üben, bin ich mir bewusst darüber, dass ich auch an anderer Stelle achtsamer mit mir sein muss. 

Yoga ist für mich der Versuch das Leben anzunehmen, so wie es gerade fließt, eben go with the flow. 

Und wie schwer ist das bitte?

Leben fühlt sich manchmal an, wie im Meer zu sein, der Strömung ausgeliefert, von Wellen überrollt. Yoga hat mir geholfen, surfen zu lernen. Und wie beim wirklichen Wellenreiten ist das, was man am meisten braucht ein stabiles Fundament. Nicht nur um Asanas zu halten, sondern vor allem um mich selber zu halten. 

Yoga gibt mir Stabilität. Etwas, von dem ich dachte, dass ich es nicht finden kann – in mir.

 

Yoga gibt Halt, 

wenn es nichts zu halten gibt, 

weil Tränen fließen 

und zeigt mir einen Horizont.

 

Yoga gibt Halt,

wenn alles grenzenlos wird 

und hält mich am Boden,

wenn ich den Kontakt verliere.

 

Yoga hat mir beigebracht ein Fundament aufzubauen. Daran zu glauben, dass ich etwas halten und tragen kann – mich selbst und andere.

 

Yoga hat mir beigebracht Veränderung nicht nur zu akzeptieren, sondern wertzuschätzen, anzunehmen und zu suchen. Deshalb ist Yoga für mich auch Mut, zu versuchen jede Situation als etwas anzunehmen, an dem ich wachsen kann und das Vertrauen darauf, dass alles was gerade ist richtig und wichtig ist. 

Yoga hat mir beigebracht dankbar zu sein, für das was ist. 

Auch, wenn es vermeintlich „weniger“ als gestern ist. Auch, wenn es kein Superlativ ist.

 

Yoga ist Tanzen 

und Lachen 

im Körper. 

 

Yoga ist Tanzen 

im Kopf,

wenn der Körper müde ist. 

Yoga ist atmen 

und Kraft tanken 

in Anstrengung

und Konzentration.

 

Yoga ist nicht nur Gelassenheit, Flexibilität und Gesundheit. Yoga ist auch Wachsen, Loslassen und Disziplin. Nicht nur Lachen, Freude und Liebe, sondern manchmal auch Schmerz, Tränen und verdammt anstrengend. Yoga ist Alles und schließt das Nichts mit ein.

Yoga wirkt auf so vielen Ebenen, dass es schwerfällt zu greifen, zu verstehen. Manchmal ist es auch schwer zuzulassen. 

 

Yoga ist kein Sport und keine Technik. 

Es ist am ehesten die innere Erkenntnis, dass alles ein Weg ist. 

Einer dieser Wege, die niemals enden. 

Einer dieser Wege, die man manchmal selbst ins Gras trampeln muss. 

Einer dieser Wege mit unendlich vielen Schleifen,

sodass man das gleiche Stück Weg wieder und wieder gehen muss und es trotzdem jedesmal anders ist.

Yoga ist mein Weg, meine Reise. Ein Weg, den ich manchmal allein gehe, mal mit anderen gemeinsam. Eine Reise, die mich zu mir führt und zusammenbringt mit anderen, mich verbindet mit der Welt.

 

Yoga ist ein Zugang zum Universum, 

zu Kraft 

und Vertrauen. 

Yoga ist mit dem Herzen hören.

Yoga ist Freiheit im Brustkorb.

 

Yoga ist Tanzen 

auf einem Drahtseil,

weil ich weiß

wenn ich falle 

kann ich fliegen.

 

Weil mich etwas trägt.

Ganz sicher.

 

Yoga ist Frieden in mir.